Handy-Crap

Einst nervten Hardware-Hersteller die Nutzer nur auf Desktops-PCs und Laptop mit Zwangsprogrammen, die man sich mühevoll von der Platte kratzen musste. Doch die Müllware erobert längst auch Handys.

vorlesen Druckansicht 10 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.

Wer in den USA beim Mobilnetzbetreiber Vofadone ein E-Mail-Handy der Marke Blackberry nutzt, durfte sich vor kurzem ĂĽber ein ganz besonderes Update zum Fest freuen: "Over the air" - also drahtlos - eingespielt, wurde den Kunden ungefragt die Default-Suchmaschine auf Microsofts nicht ganz schlechtes, aber auch nicht ĂĽberragendes "Bing" umgestellt. Die Zwangsaktualisierung ist Teil eines Deals, den Verizon mit dem Softwareriesen geschlossen hat und der offenbar nach dem Motto "Bist Du nicht willig, so brauch' ich Gewalt" Nutzer von Google, der einstigen Standardsuche auf Blackberrys, abziehen soll. Wer doch noch Googeln will, muss kĂĽnftig langwierig "www.google.com" in den Browser eintippen, AbkĂĽrzungen gibt's nicht mehr oder fĂĽhren zu "Bing".

Der Vorfall, der in der Blackberry-Gemeinde für reichlich Ärger sorgte, zeigt, was Nutzern in den nächsten Jahren noch drohen könnte, wenn Handys zunehmend zum kommerziellen Kriegsschauplatz werden - mit dem User mittendrin. So genannte Crapware, unnötige Software, die man dank entsprechender Durch-die-Hintertür-Deals auf zahlreichen Laptops und Desktop-PCs findet, landet nun auch auf Smartphones, wo sie von den Kunden nur noch schwer "abgekratzt" werden kann.

Etwas wirklich Neues sind solche Handy-Verschönerungen eigentlich nicht - schon seit Jahren verärgern T-Mobile, Vodafone & Co. Mobilfunk-Puristen damit, dass sie eigentlich jungfräuliche Geräte von Sony Ericsson, Nokia und Co. "branden", sprich, mit den jeweiligen Markenfarben als Hintergrundbild überziehen - und irgendwelche Links zu unbrauchbaren Eigenangeboten ins Hauptmenü klatschen, die dann oft auch noch unnötige Datenzugriffe provozieren. Mit der Ankunft leistungsfähiger Anwendungen auf Smartphones beschleunigt sich der Trend nun aber - und die Gerätehersteller und Netzbetreiber versuchen, den Usern vorzuschreiben, was sie wie auf ihren Mobilteilen zu tun und zu lassen haben.

Lobend erwähnen kann man in diesem Zusammenhang eigentlich nur Apple und sein iPhone - eine Firma, die schon im PC-Bereich stets mit Crapware-Freiheit glänzte. Dort bietet man zwar standardmäßig Google-Dienste an, doch werden die vor allem deshalb verwendet, weil die der Konkurrenz schlechter sind. Zudem verpackt Apple sie in sein eigenes Software-Kleid. Bis auf einige Standard-Anwendungen bleibt ein neues iPhone denn auch rein - Anwendungen, Apps, muss der Nutzer sich händisch aus dem Online-Laden des Herstellers besorgen. Allerdings ist selbiger selbst eine Gängelbude - allerdings in Richtung der Programmierer. Denen zwingt die Marke mit dem Apfel strenge Regeln auf, die nicht immer konsistent wirken - und auch Crapware rutscht manchmal durch. Aber immerhin können die User diese wieder ganz leicht deinstallieren. (bsc)