Nackt gescannt
Die deutsche Politik will nach dem Anschlagversuch von Detroit nun schnell neuartige Durchleuchter anschaffen. Wenn sie das Reisen erleichtern würden, wären sie möglicherweise sinnvoll. Doch das ist nicht zu erwarten.
Nein, ich werde an dieser Stelle nicht die seit Tagen tobende Nacktscanner-Debatte aufgreifen, also das technische, ethische wie moralische Dafür und Dagegen abwägen, was die Anschaffung der teuren neuen Geräte in diesem unserem Land anbetrifft. Stattdessen möchte ich an dieser Stelle aus Sicht der Fluggäste argumentieren, die seit Jahren immer schlimmeren Belästigungen ausgesetzt werden, nur weil ein paar terroristische A...l... uns dazu gezwungen haben.
Nehmen wir also einmal an, die neuen Terahertz-Durchleuchter würden funktionieren, wie gewünscht, dabei die Privatsphäre schützen und Anschlagsversuche wie den von Detroit künftig vermeiden. Würde das den Fluggästen helfen, würden sie damit schneller durch die langen Schlangen geschleust, die seit langem an deutschen und vielen internationalen Flughäfen nerven? Oder wird man weiter schwitzend seine Schuhe ausziehen müssen und (besonders demütigend) seinen Gürtel, nur um die dann herunterfallende Hose beim Abtasten durch die Beamten festzuhalten?
Mit Verlaub - ich glaube an letzteres. Wenn man sich anschaut, was derzeit geplant ist, wird der Nacktscanner nur ein weiterer Schritt in einer immer länger werdenden Kette an Sicherheitsmaßnahmen sein, die immer lächerlicher werden. Nach dem Flüssigkeitenbann (der den Duty-Free-Läden dieser Welt unerhörte Zusatzeinkünfte verschaffte) oder dem Verbot von Taschenmessern (mancher Flughafen hat eine museumsreife Sammlung) wird wohl als nächstes der Einsatz von Elektronik an Bord dran sein.
Die 60-Minuten-vor-Landung-Aufsteh-Sperre, die von der US-Flugsicherheitsbehörde zwischenzeitlich eingeführt wurde, weil Terroristen offenbar nur kurz vor Erreichen Nordamerikas bomben, ist da nur der Anfang. Man kann eine Renaissance des Gedruckten vorhersehen - Bücher und Zeitungen, im Aufschwung dank Flugsicherheit. Bis dem ersten Terroristen einfällt, seine Bombe in Bücher einzunähen. Dann muss man wohl wieder anfangen, zu lernen, Drei gewinnt mit sich selbst zu spielen - im Kopf, denn Stifte sind natürlich auch verboten.
Was ich mit all dem sagen will, ist dieses: Wir brauchen ein komplettes Umdenken bei der Terrorabwehr, die die Fluggäste nicht nervt. Letzteres führt nämlich zu allem, nur nicht zu mehr Sicherheit. Als Beispiel, wie es funktionieren könnte, könnte uns etwa Israel dienen, wo man viel mehr mit Verhaltensanalyse arbeitet als mit aktiver Durchleuchtung - und das äußerst erfolgreich. Aber hier zu Lande scheint es ja nicht einmal durchsetzbar zu sein, dass die Screener an Flughäfen ordentlich bezahlt werden. Stattdessen führt man lieber teure Technik ein. Immerhin hilft das wenigstens der Wirtschaft...
(bsc)