Telekom Austria: Konflikt um Vollprivatisierung

Die Ă–sterreichische Bundesregierung und das Management der Telekom Austria (TA) sind uneins, was die weitere Privatisierung des Ex-Monopolisten angeht.

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Die Österreichische Bundesregierung und das Management der Telekom Austria (TA) sind uneins, was die weitere Privatisierung des Ex-Monopolisten angeht. Erst vergangene Woche hatte Telekom-Chef Heinz Sundt eine Lanze dafür gebrochen, dass die öffentliche Hand eine Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie behält. Doch am Montag stellte Finanzminister Karl-Heinz Grasser bei einer Investorenkonferenz in New York klar: "Das tun wir nicht. Wir haben einen hundertprozentigen Privatisierungsauftrag an die ÖIAG erteilt. Damit ist klar: Wir behalten nichts."

Über die staatliche Privatisierungsholding ÖIAG (Österreichische Industrieholding AG) hält die Republik Österreich zurzeit 47,2 Prozent der TA-Aktien. Telecom Italia, die ebenfalls ganz aussteigen will, hält weitere 14,8 Prozent, die restlichen 38 Prozent befinden sich in Streubesitz, in einigen Investmentfonds (5,7 Prozent) beziehungsweise im Eigentum von Mitarbeitern (0,5 Prozent). Um den Markt liquide zu halten, hatten Telecom Italia und die ÖIAG eine Vereinbarung über eine Begrenzung der von Mitte 2002 bis Ende 2003 über die Börse verkauften Aktien getroffen. Bis 22. Januar 2004 dürfen beide Teilhaber keine Platzierungen mehr vornehmen. Danach könnte aber sehr schnell verkauft werden, wie die ÖIAG im September am heftig umstrittenen Beispiel der voestalpine AG gezeigt hat. Dabei wurden 19,7 Prozent des Stahlunternehmens so plötzlich verkauft, dass die Post (zu 100 Prozent im Eigentum der ÖIAG) viele Prospekte erst nach erfolgter Platzierung an potenzielle Kleinaktionäre zustellte.

Der TA-Chef erhält Schützenhilfe von der Opposition (SPÖ und Grüne), die ebenfalls die Bedeutung des Unternehmens für den "Standortfaktor Infrastruktur" betont. Sundt dürfte zudem darauf hoffen, leichter die wiederholt eingeforderten Subventionen für den Breitbandausbau zu erhalten, wenn der Subventionsgeber selbst am Subventionsnehmer beteiligt ist. Auch werden neue Großaktionäre ihr eigenes Management-Team einsetzen wollen.

Die Regierung jedenfalls will spätestens bis zum Ende der Legislaturperiode im Herbst 2006 verkaufen. Sicher ist, dass ein langer Streit dem erzielten Erlös nicht förderlich sein dürfte. Positiv könnte sich ein bis Ende 2004 nach dem kompletten Ausstieg der Italiener möglicher Aktienrückkauf durch das Unternehmen auswirken. Allerdings würde mit dem Näherrücken des magischen Datums der Verkaufsdruck auf die ÖIAG weiter steigen, was deren Verhandlungsposition nicht verbessern würde. Die Telekom Austria AG könnte also schneller vollprivatisiert sein, als manchen lieb ist. (Daniel AJ Sokolov) / (jk)