Kurznachrichtendienst als Werbeplattform
Je populärer Twitter wird, desto interessanter wird auch seine Kommerzialisierung: Zahlreiche Marketing-Firmen versuchen sich an Reklamestrategien.
Das Pseudonym Perez Hilton ist bekannt und berüchtigt. Keiner heizt Gerüchte über Prominente so an wie er. Das bewies der US-amerikanische Blogger anlässlich des Todes von Michael Jackson. Über die Kurznachrichten-Plattform Twitter hatte Hollywoods schrillste Klatschbase verlauten lassen, dass der "King of Pop" den Schlaganfall nur vorgetäuscht hätte. Das war sogar für die tolerante Internet-Gemeinde zu viel, die daraufhin eine "Unfollow"-Kampagne startete.
Umso mehr müssen sich die rund 1,4 Millionen verbliebenen Anhänger von Perez Hilton die Augen gerieben haben, als dieser folgenden Tweet veröffentlichte: "Gesponsert: Ich kombiniere gern kräftige Farben mit klassischem Stil, um das Leben etwas aufzumischen. Tweetet Modetipps an #gapstyletips, damit ihr auf CocoPerez.com erscheint!" Das taten dann auch mehrere hundert seiner Leser und machten so Werbung für die US-amerikanische Modemarke The Gap, die den rührigen Blogger für die Twitter-Reklame bezahlt.
Perez Hiltons Schleichwerbung ist weder Einzelfall noch Ausrutscher, sondern Produkt eines neuen Geschäftsfeldes. Denn nicht nur Webagenturen, sondern auch Unternehmen wie der Computerkonzern Dell oder der Kabelnetzbetreiber Comcast zerbrechen sich den Kopf, wie man mit Twitter nicht nur Aufmerksamkeit erregen, sondern auch Geld verdienen kann, berichtet Technology Review in einem ausführlichen Report zur Kommerzialisierung des Kurznachrichtendienstes in seiner Online-Ausgabe.
Blogads und Izea sind zwei Firmen, die sich dabei am weitesten vorgewagt haben und seit Kurzem sogenannte "Sponsored Tweets" von ausgewählten Individuen an meistbietende Firmen verkaufen. Blogads setzt dabei gezielt auf bekannte Blogger, die auf der Twitter-Plattform aktiv kommunizieren. Das Honorar für die werbenden Kurznachrichten handelt das Unternehmen individuell aus. Die Gewinnrechnung für Sponsored Tweets sei einfach, behauptet Blogads-Chef Henry Copeland. Ein richtig formulierter Werbetext – natürlich nicht länger als 140 Anschläge – kann bei einem Promi-Blogger wie Hilton bis zu 20.000 Klicks verursachen. Damit liegt er in puncto Werbewirkung weit über der von herkömmlicher Bannerwerbung oder gesponserten Links.
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(bsc)