Audiophobes auf der Festplatte
Seit mehr als 15 Jahren ist das Musikformat MP3 nun schon auf dem Markt - und viele Millionen CDs wurden mit seiner Hilfe auf Rechner und tragbare Musikspieler ĂĽbertragen. Aber was bedeutet das eigentlich fĂĽr den Klang unserer Archive?
Neulich habe ich mal wieder in meiner alten digitalen Musiksammlung gekramt – in den Songs, die ich vor vielleicht sechs, acht oder sogar zehn Jahren in meinen PC eingelesen hatte. Schon früh fand ich es höchst komfortabel, direkten Zugriff auf alle meine CDs von einem Ort aus zu haben; als dann vernünftige Musikspieler wie Archos Jukebox und schließlich Apples iPod auf den Markt kamen, wurde die Kollektion auch noch portabel.
Einfache Ripping-Programme, die den Plattenfirmen einst übel im Magen lagen (manchen sogar noch heute) und das einst in Deutschland erfundene MP3-Format machten es möglich – jede neue Scheibe wurde sofort nach dem Kauf eingelesen, um dann im Plattenschrank zu verschwinden, als absolute und kaum angefasste Sicherheitskopie. Inzwischen muss man sich die Mühe nicht mehr machen. CDs werden zwar immer noch verkauft, doch es werden jedes Jahr weniger; stattdessen bekommt man seine Songs legal und in Sekunden bei iTunes und Co. gleich digital.
Beim Abhören der alten Scheiben fiel mir nun auf, wie schlecht doch die Ripping- und Encoding-Qualität dereinst war. Schlechte Einlesewerkzeuge sorgten für Störgeräusche und die lange Jahre standardmäßig verwendete MP3-Qualitätsstufe mit nur 128 Kilobit sorgte für eine schwere Unterscheidbarkeit einzelner Instrumente – von Leiergeräuschen ganz abgesehen. All das mag einem mit schlechten Kopfhörern und miesen MP3-Spielern nicht so sehr auffallen. Doch beim Abhören mit guten Boxen und guten Headphones fällt es sofort auf.
Nach zwei, drei Alben hatte ich schließlich genug: Ich stand kurz davor, einige der verstaubten Scheiben aus dem Plattenschrank zu ziehen (ich habe sie natürlich alle noch!) und einfach mit einer Qualitätssoftware einen neuen Rip mit dem heute üblichen und viel besseren MPEG-4-Kompressionsverfahren zu starten. Auch Lossless wäre eine Möglichkeit gewesen, schließlich haben wir heutzutage genügend Plattenplatz übrig.
Und was tat ich dann? Weil ich faul war, zückte ich meine Kreditkarte und kaufte einige wichtige Platten in einem Online-Musikladen mit hoher Klangqualität einfach noch mal. Das mag wirtschaftlich nicht besonders schlau gewesen sein. Aber man ist Bequemlichkeit dank Internet eben gewöhnt. Aber vielleicht erlaubt mir meine Frau ja bei Gelegenheit eine ausgedehnte Ripping-Session der alten Platten...
(bsc)