Regulierer sieht Telekom-Konkurrenz gestärkt

Die Regulierungsbehörde sieht auch im Ortsnetz durch Call-by-Call eine "rasante und dynamische Verbesserung" der Wettbewerbsituation zwischen Telekom und der Konkurrenz.

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Von
  • JĂĽrgen Kuri

Bei der Vorstellung des Tätigkeitsberichts 2002/2003 der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) zog der Behörden-Chef Matthias Kurth eine "insgesamt erfreuliche Bilanz über die Fortschritte des Wettbewerbs im deutschen Telekommunikationsmarkt". Die Wettbewerber machten dem Marktführer Telekom immer stärkere Konkurrenz. In allen wesentlichen Geschäftssegmenten habe sich deren Marktposition verbessert und den Verbrauchern günstigere Preise beschert.

Der Mobilfunk bleibt insgesamt der wichtigste Wachstumstreiber. Mit einem Plus von elf Prozent trage der Bereich im auslaufenden Jahr wesentlich zur Steigerung des Branchen-Umsatzes bei. Insgesamt werde die Branche rund 63 Milliarden Euro (plus 2,8 Prozent) erlösen. UMTS-Mobilfunkdienste und schnelle Internetanschlüsse (DSL) würden künftig die Vorreiter für weiteres Wachstum sein. Bis zum Jahresende 2003 erwartet Kurth 63,5 Millionen Mobilfunkkunden, Ende 2002 waren es noch 59,1 Millionen.

Insgesamt hat der Telekommunikationsmarkt nach Ansicht der Regulierungsbehörde die Talsohle durchschritten; seit dem Jahr 2001 sind die Umsätze mit Telekommunikationsdienstleistungen um 5 Prozent auf 63 Milliarden Euro gestiegen. Dabei seien in den beiden vergangenen Jahren 18,5 Milliarden Euro in die Infrastruktur investiert worden, wobei 9,8 Milliarden Euro auf die Telekom und 8,7 Milliarden Euro auf die Konkurrenz entfielen. Ähnlich wie die Monopolkommission sieht die RegTP die Position der Telekomkonkurrenten deutlich verbessert. Die alternativen Anbieter hätten ihre Marktanteile erhöhen und die Abhängigkeit von Vorleistungen der Telekom deutlich reduzieren können.

Feine Unterschiede zur Monopolkommission sind aber in der Einschätzung einzelner Wettbewerbsbereiche festzustellen. Während die Kommission, die die Bundesregierung in Fragen des Wettbewerbs berät, in einem Sondergutachten den Wettbewerb im Ortsnetz als noch nicht selbsttragend bezeichnet, scheint die RegTP optimistischer zu sein: " Durch die Einführung von Call-by-call und Preselection im Ortsnetz in diesem Jahr hat sich in wenigen Monaten eine rasante und dynamische Verbesserung der Marktanteile der Wettbewerber ergeben", betonte Kurth.

Allerdings schränkt auch der oberste Telekom-Regulierer der Republik ein, dass die Erfolge weitgehend regulatorisch bedingt seien. Eine Empfehlung zur Aufhebung von Regulierungsbestimmungen, wie sie die Monopolkommission für den Ferngesprächsmarkt gab, kann man bei der RegTP allerdings auch kaum entdecken: Die Regulierungsbehörde hält fest, dass immer noch 60 Prozent der Erlöse mit Fernverbindungen unmittelbar von der Telekom generiert würden und von den verbleibenden 40 Prozent rund die Hälfte in Form von Vorleistungszahlungen der Konkurrenz an die Telekom fließe: "Von der Wertschöpfung bei Fernverbindungen [entfällt] nach wie vor ein Anteil von über 80 Prozent auf das ehemalige Monopolunternehmen." (jk)