Siemens sucht bei Handys den Anschluss
Im hart umkämpften Handymarkt sucht Siemens den Anschluss an den Branchenriesen Nokia.
Im hart umkämpften Handymarkt sucht Siemens den Anschluss an den Branchenriesen Nokia. Im neuen Jahr wollen die Münchner dem unumstrittenen Marktführer wieder ein kleines Stückchen näher rücken. "Wir wollen stärker wachsen als der Markt", sagt der Chef der Siemens-Mobilfunksparte ICM, Rudi Lamprecht, und kündigt mindestens 29 neue Modelle an. Doch einige Branchenexperten bezweifeln noch immer, ob der Marktanteil von Siemens groß genug ist, um im Handygeschäft auf Dauer richtig Geld verdienen zu können. Zuletzt konnten die Münchner aber etwas Boden gutmachen.
Weltweit erscheint Nokia bei Handys mit Marktanteilen von etwa 34 Prozent unangreifbar, auch wenn der Konzern in letzter Zeit etwas Federn lassen musste, besonders in Europa. Mit wechselndem Erfolg bemüht sich Siemens seit Jahren, zumindest unter den Verfolgern eine gute Rolle zu spielen. Auf Rang zwei liegt, nachdem man die Marktführerschaft an Nokia abgeben musste, traditionell der US-Konzern Motorola, der zuletzt auf gut 15 Prozent kam. Derzeit rangiert Samsung auf dem dritten Platz. "Was Samsung macht, ist stark", heißt es selbst bei Siemens. Die Koreaner gewinnen mit hochwertigen Modellen Kunden und erzielen so hohe Margen. Stark im Kommen ist Sony Ericsson. Nach der Zusammenlegung der Sparten von Sony und Ericsson stürzten die Marktanteile zunächst ins Bodenlose. Mittlerweile hat sich Sony Ericsson gefangen und den Marktanteil bei fünf Prozent stabilisiert. Sieben bis zehn Prozent sollen es 2004 sein.
Siemens konnte zuletzt mit gut neun Prozent Marktanteil Rang vier behaupten. Im gesamten Geschäftsjahr 2002/03 verkaufte der Konzern 39 Millionen Handys, immerhin 18 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Gerade in Westeuropa konnte Siemens zuletzt mit einer Offensive bei billigen und mittelpreisigen Handys auf 17 Prozent Marktanteil stark zulegen. Ein Vorwurf lautet, Siemens sei bei Handys stets Spätstarter. Mal habe der Konzern zu spät den Trend zu einfachen Prepaid-Geräten erkannt, dann zu spät auf Handys mit eingebauter Fotokamera gesetzt. "Wir waren etwas später dran", räumt Lamprecht mit Blick auf die Kamerahandys ein, "jetzt bin ich aber eigentlich sehr zufrieden mit dem, was wir haben." Bei UMTS-Telefonen setzte Siemens zum Start in die neue Ära auf modifizierte Handys des Konkurrenten Motorola. Für Lamprecht ist dies aber ein guter Schachzug. Bis UMTS Massengeschäft ist, werde Siemens mit ausreichend eigenen Geräten präsent sein.
In Sachen Geschwindigkeit könnte Siemens möglicherweise ein Partner in Asien helfen. Daher wird immer wieder über ein Gemeinschaftsunternehmen spekuliert, wie es Siemens im Computer- Bereich mit Fujitsu gegründet hat. Im Gespräch für Handys ist unter anderem die koreanische LG Electronics, hinter Siemens die Nummer 5 auf dem Handy-Weltmarkt. In einem 50:50-Gemeinschaftsunternehmen könnte Siemens die Handy-Marke erhalten, mittlerweile wichtiges Werbemittel für den Gesamtkonzern. Bei den Entwicklungskosten und auch beim Vertrieb in Asien könnten die Koreaner helfen. (Axel Höpner, dpa) / (jk)