Open Brother

Über Datensammler, Datenhändler, Möchtegern-Zensoren und andere finstere Gestalten steht an dieser Stelle häufig sehr viel Negatives. Deswegen möchte ich heute ain diesem Beitrag ein positives Beispiel herausheben: die Polizeidirektion Hannover.

vorlesen Druckansicht 2 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.

Man muss auch mal loben dürfen. Über Datensammler, Datenhändler, Möchtegern-Zensoren und andere finstere Gestalten steht an dieser Stelle häufig sehr viel Negatives. Deswegen möchte ich heute ain diesem Beitrag ein positives Beispiel herausheben: die Polizeidirektion Hannover.

Die hat nämlich am Freitag bekannt gegeben, dass sie die Standorte ihrer Überwachungskameras künftig im Internet veröffentlichen will. Und schreitet auch gleich zur Tat. Die Seite ist tatsächlich lustig gemacht (besonders neckisch finde ich persönlich ja das das Foto vom Thielenplatz – da hängt ein Plakat an der Wand mit dem Slogan „Wer an seine Zukunft glaubt, gehört zu uns!“ – das sieht fast wie die Aktion eines situationistischen Künstlers aus, ist aber wahrscheinlich Zufall). Als Mouseover präsentiert die Polizeidirektion sogar – wenn auch etwas pixelige – „Großaufnahmen“ der installierten Kameras. Wenn die verbaute Überwachungstechnik genauso schlechte Bilder liefert, ist das System allerdings noch ein bisschen ausbaufähig.

Grundsätzlich aber ist die Idee verschärft zu begrüßen. Wir hätten da allerdings noch einen klitzekleinen Verbesserungsvorschlag: Psychologen haben ja mittlerweile nachgewiesen, dass Menschen sich eher an soziale Normen halten, wenn sie wissen, dass sie beobachtet werden. Nichts ist so wirksam, wie soziale Kontrolle – soweit geht die Idee mit der Veröffentlichung also schon mal in die richtige Richtung. Wie wäre es aber denn damit, die Bilder der Kameras auch gleich ins Netz zu streamen? So eine Art Open-Source-Version des großen Bruders? Würde das nicht die zu erwartende erzieherische Wirkung potenzieren?

Jeder beobachtet Jeden. Die unterbezahlte und ĂĽberlastete Polizei ist eh nicht in der Lage, sich das ganze Zeug anzugucken. Interessenten wĂĽrden sich schon finden, schlieĂźlich wird in so mancher Reality Soap im Wesentlichen auch nicht mehr geboten. Und wer weiĂź, vielleicht kann man mit dem Material am Ende sogar noch ein bisschen Geld verdienen? (wst)