Paid Stupid

Die Verlage arbeiten an Abomodellen, um abseits der Werbung im Internet direkt Geld zu verdienen. Um nicht zu viele Nutzer zu vergraulen, gibt es allerdings diverse HintertĂĽren. Zahlen mĂĽssen, so scheint es, nur die Dummen.

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In einigen Monaten ist es soweit: Dann will mit der "New York Times" eine der bekanntesten Zeitungen der Welt wieder ein Abomodell einfĂĽhren, um direkt Geld mit Inhalten zu verdienen, die vom Leser zu bezahlen sind. AllĂĽberall auf dem Planeten werden diese "Paid Content"-Modelle aktuell gepusht: Werbung alleine, so heiĂźt es, mache im Internet den Verlegerkohl nicht fett.

Allerdings sind die Anbieter dabei äußerst inkonsequent. Statt ihre Seiten komplett abzuschließen, setzen sie eher auf das Prinzip "Paid Stupid" – bezahlen müssen nur diejenigen, die es nicht besser wissen, sprich: die Dummen.

Die Idee dahinter nennt sich "Metered Access" – Zugriff nach Parkuhr. Bei diesem Prinzip, das unter anderem von der "New York Times" angedacht wird, dürfen die User eine bestimmte Anzahl an Texten lesen, bevor der Zugang nur noch zahlenden Kunden möglich ist. Dieser Ansatz erlaubt allerdings zahlreiche Umgehungsmöglichkeiten. Wenn es keinen Anmeldezwang gibt, muss man nur ein einfaches Cookie im Browser löschen, was für einigermaßen geschulte Nutzer zehn Sekunden dauert. Gibt es Anmeldezwang, nutzen gewitzte User einfach mehrere Accounts.

Aber es geht noch viel einfacher: Da die Verlage fĂĽrchten, durch eine undurchdringliche Bezahlschranke viele Leser zu verlieren (und damit weniger Werbung, die weiterhin auf den Seiten bleiben soll, zu verkaufen), stehen die Angebote ĂĽber Suchmaschinen meist sperrangelweit offen. Wer also nach der Ăśberschrift eines ihn interessierenden Textes bei Google sucht, kriegt die Story umsonst. Ebenfalls gratis sind Links aus Blogs und von Twitter oder Facebook.

Ich persönlich muss übrigens zugeben, dass ich manchmal ebenfalls zum "Paid Stupid"-Kundenkreis gehöre – unter anderem aus reiner Faulheit. So zahle ich seit ungefähr zehn Jahren jährlich brav meine knapp 120 Dollar für den Zugang zum "Wall Street Journal Online". Würde ich mir die Mühe machen, könnte ich jeden interessanten Text höchstwahrscheinlich auch über Google News kostenlos erreichen, entsprechende Bastelmöglichkeiten scheint es hier nämlich ebenso zu geben. Warum ich trotzdem bleche? Erstens benötige ich den Zugang beruflich. Zweitens ist mir die Trickserei in diesem Fall zu aufwändig, weil ich das Medium zu intensiv lesen muss.

Trotzdem würde ich nicht darauf wetten, dass viele Menschen in Zeiten dieser und anderer Krisen bereit sind, solcherlei Luxusausgaben zu tätigen – und auch in den Firmenkassen ist bekanntlich immer weniger Geld für unnötige Späße vorhanden. Entsprechend bleibt für die Verlage nur eine Lösung: Entweder komplett werbefinanziert, richtig "paid" – oder aber gar nicht. Alles andere ist schlicht Kundenveralberung. (bsc)