Heinz Nixdorf MuseumsForum frischt Ausstellung zur Computergeschichte auf
Nicht nur Software kann mit einem Update auf den neuesten Stand gebracht werden, die Auffrischung funktioniert auch mit einem ganzen Museum.
Mit einer Feier und einigen Fachvorträgen stellte gestern Nachmittag das über sieben Jahre alte Heinz Nixdorf MuseumsForum die renovierte Ausstellung zur Computergeschichte vor, die einem "systematischen Update" unterzogen wurde. 900 von insgesamt 6000 Quadratmetern wurden dabei umgestaltet. Acht neue Ausstellungsbereiche sind hinzugekommen, mit denen sich das HNF etwas vom Museumskonzept als Leistungsschau vergangener Computertechnik absetzt. So gibt es einen Bereich, in dem die alles andere als musealen Wearables gezeigt werden, etwa eine Jacke mit eingebautem MP3-Player oder die elektronische Fußfessel. Auch ein Bereich mit modernen Robotern kündet davon, den durch all zuviel Geschichte enttäuschten jüngeren Besucher mit HighTech von heute zu unterhalten. "Computer als Baustücke von historischem Interesse stellen uns vor das strukturelle Problem, wie 'alt' wir uns mit der Ausstellung geben können und dabei dennoch 'attraktiv' bleiben", bekannte HNF-Geschäftsführer Kurt Beiersdörfer.
An guten alten Dingen hinzugekommen ist eine kleine Spielecke mit Klassikern wie Pong und PacMan, die spielbar sind. Auch die Klassiker der PC-Geschichte sind durch das Update erfahrbar geworden, weil mit ihnen innerhalb einer Emulation gespielt werden kann. Durch das Update entstand ein Bereich, der laut HNF eine der größten Handysammlungen der Welt beherbergt. Schließlich ist eine virtuelle Wall of Fame zu vermelden, die das Konzept der Computerpioniere erweitert und 152 Zeitgenossen wie Olaf Henkel und Kai Krause, die das Computern geprägt haben, auf eine Leinwand wirft. Die Berühmtheiten sind wie beim Fußball in einer ersten und einer zweiten Liga gestaffelt.
Zur Eröffnung des Update gab es drei professorale Festvorträge. Kurt Mehlhorn, Direktor des Max-Planck-Institut für Mathematik nahm den Gedanken der Wall of Fame auf und entrüstete sich, dass sich nur ein deutscher unter den 500 meistzitierten Informatikern befindet und der Turing Award nie nach Deutschland gekommen ist. Er forderte die Einrichtung eines zweiten Max-Planck-Institutes, weil die Computerforschung durch die Fusion von Fraunhofer-Gesellschaft und GMD über Gebühr gelitten habe. Elgar Fleisch von der Universität St. Gallen referierte über Transponder und freute sich über die Impulse, die vom RFID-Boom ausgehen. "Smarte Chips verwandeln tumbe Computer in dienstbare Maschinen," lautete sein Fazit. Tanja Diezmann von der Hochschule Anhalt erklärte den etwa 300 geladenen Gästen die Entwicklung von WIMP-Benutzeroberflächen und vermittelte mit dem Interface PAM (People around Me) einen Eindruck, was bei den Entwicklern "State of the Art" ist. Pam ordnet alle Kontakte, Termine, Mails, Notizen und Links auf Kreisbahnen an, die um das Ich gelegt sind und in verschiedenen Perspektiven wie Beruf, Privat usw. rotiert werden können.
Die Mannschaft des HNF hofft, dass die Nachricht vom aufgefrischten Museum Kreise zieht und die im letzten Jahr abgesackten Besucherzahlen wieder nach oben gehen. Zur Feier des Update gibt es an diesem Wochenende einen Familientag, an dem der Eintritt frei ist. Als nächstes Spektakel steht dann vom 1. bis zum 4. April der Robocup German Open ins Haus. (Detlef Borchers) / (anw)