Wasserstoff-Strategie: Bundesregierung hebt ihre Ziele an
Fünf Bundesministerien haben sich auf eine überarbeitete Strategie verständigt, um Wasserstoff in Deutschland als Energieträger zu etablieren.
(Bild: r.classen / Shutterstock.com)
Die Bundesregierung hat ihre Wasserstoff-Strategie überarbeitet und darin Ziele formuliert, die ambitionierter sind die bisherigen. Bis 2030 sollen in Deutschland Erzeugungsanlagen für eine Elektrolysekapazität von mindestens 10 GW entstehen. Der restliche Bedarf soll durch Importe gedeckt werden, dafür werde noch eine gesonderte Importstrategie entwickelt, hat heise online aus Berlin erfahren. In der 2020 von der damaligen Großen Koalition erarbeiteten Strategie war noch von höchstens 5 GW die Rede.
Auf die neue Strategie haben sich nach Informationen von heise online das Bundeswirtschaftsministerium und vier weitere Ressorts der Regierung verständigt. Der geeinte Entwurf wurde dem Nationalen Wasserstoffrat zugeleitet, der nun dazu Stellung nehmen kann. Voraussichtlich noch in diesem Monat will das Bundeskabinett die Strategie beschließen.
Schnellerer Markthochlauf
Die Bundesregierung will den Markthochlauf von Wasserstoff seinen Derivaten und Anwendungstechniken beschleunigen. HierfĂĽr sollen geeignete Rahmenbedingungen geschaffen werden: effiziente Planungs- und Genehmigungsverfahren, einheitliche Standards und Zertifizierungssysteme, ausreichend ausgestattete und eine auf allen Ebenen koordinierte Verwaltung.
Bevorzugt gefördert werden soll "grüner Wasserstoff", also solcher, der mit erneuerbaren Energien produziert wird. Auch, aber weniger stark gefördert werden soll "blauer Wasserstoff". Dieser wird aus fossilem Erdgas per Reformierungsverfahren gewonnen, dabei wird Carbon-Capture-and-Storage-Technik angewendet, mit der CO₂ abgeschöpft und gespeichert wird.
Dabei betont die Regierung die Bedeutung der notwendigen Infrastruktur. Hierfür hat das Bundeskabinett Ende Mai mit der Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) den rechtlichen und regulatorischen Rahmen für das zukünftige Wasserstoff-Kernnetz für Deutschland als erste Ausbaustufe der Wasserstoffinfrastruktur beschlossen. Bis 2027/2028 werde über die IPCEI-Förderung soll ein Wasserstoffstartnetz mit mehr als 1800 km umgestellten und neu gebauten Wasserstoffleitungen in Deutschland aufgebaut. Bis 2030 sollen alle großen Erzeugungs-, Import- und Speicherzentren mit den relevanten Abnehmern verbunden werden. Wie das aussehen kann, haben nun die deutschen Fernleitungsnetzbetreiber ausgearbeitet.
Wasserstoff bis 2030 etablieren
Bis 2030 sollen Wasserstoffanwendungen in der Industrie, für schwere Nutzfahrzeuge und zunehmend im Luft- und im Schiffsverkehr etabliert werden, heißt es weiter in der Strategie. Durch Gaskraftwerke, die auf Wasserstoff umgerüstet werden können, soll die Energieversorgung zusätzlich gesichert werden. Wichtig hierbei seien "systemdienliche Elektrolyseure", insbesondere als variable Stabilisatoren für flexible Lasten.
Videos by heise
Zudem strebt die Bundesregierung an, dass Deutschland bis 2030 Leitanbieter für Wasserstofftechnologien wird. Deutsche Anbieter sollen ihre Technologieführerschaft ausbauen und die gesamte Wertschöpfungskette von Wasserstofftechnologien von der Produktion bis hin zu den unterschiedlichen Anwendungen anbieten. Damit gemeint sind unter anderem Elektrolyseure und Brennstoffzellen. Parallel arbeitet die Bundesregierung an einer Importstrategie. Sie hat sich in diesem Frühjahr etwa mit Norwegen auf die langfristige Versorgung mit Wasserstoff geeinigt.
(anw)