Nokias Optimismus schlug trotz satter Gewinne nur schwach an
Trotz Rekordgewinns und optimistischer Prognose von Nokia blieb die Reaktion bei Analysten und an der Börse nur beherrscht.
Der weltgrößte Handyhersteller Nokia hat im vergangenen Jahr satte Gewinnsteigerungen eingefahren und der Branche ein zweistelliges Wachstum für dieses Jahr vorhergesagt. Trotz des Rekordgewinns von 1,17 Milliarden Euro im Schlussquartal 2003 und der optimistischen Nokia-Prognose blieb die Reaktion bei Analysten und an der Börse aber nur beherrscht.
"Da war im Prinzip nicht viel Neues, sondern nur der allgemeine Branchenkonsens", sagte Analyst Andreas Mark von der Fondsgesellschaft Union Investment in Frankfurt, nachdem Nokia- Konzernchef Jorma Ollila in Helsinki ein Plus beim Handyabsatz 2004 von zehn Prozent vorausgesagt hatte. Auch der Anstieg der Nokia-Aktie in Helsinki hielt sich mit weniger als zwei Prozent (1,9 Prozent auf 16,58 Euro) im Bereich "beherrschter Optimismus". In Frankfurt sackte der Kurs sogar erst einmal auf 15,70 Euro ab, stieg aber bis zum Schluss des offiziellen Handels auf dem Parkett um 1,70 Prozent auf 16,72 Euro.
Erst vor anderthalb Wochen hatte Ollila mit der AnkĂĽndigung verbesserter Gewinnerwartungen nicht nur den Nokia-Kurs um 12 Prozent nach oben getrieben, sondern auch die Konkurrenz mitgezogen. Seitdem haben die anderen fĂĽhrenden Handy-Hersteller wie Motorola in den USA, der deutsche Siemens-Konzern oder Samsung aus SĂĽdkorea und der japanisch-schwedischen Verbindung Sony Ericsson ihre Bilanzen und Prognosen vorgelegt.
Danach sieht Analyst Mark eine relativ klare Grundstimmung in der 2003 nach langer Dürre wieder wachsenden Handy-Branche: "Das Schlimmste ist vorüber." Dabei sei der Grundton der Nokia-Prognosen mit 10 Prozent Wachstum des globalen Handy-Marktes und gleichbleibendem Absatz oder leichten Steigerungen bei Netzwerken im Gegensatz zu früher oft strahlend optimistischen vorhersagen des Marktführers "eher vorsichtig". Dennoch erwartet die gesamte Branche sichtlich froh, dass sie nach dem überraschend starken Handy-Absatz gerade zum Ende vergangenen Jahres 2004 wieder mal zweistellige Wachstumsraten schafft. Optimistischere Prognosen gehen sogar von 15 Prozent aus. "Nokias vorsichtige Schätzung lässt Platz für Überraschungen nach oben", meint der Frankfurter Analyst dazu.
Dass dazu auch der von den Finnen seit Jahren immer wieder als Ziel öffentlich angepeilte Marktanteil von 40 Prozent gehört, erscheint für Mark angesichts der "zunehmend schärferen Konkurrenz" vor allem aus Asien "möglich, aber sehr schwer" zu erreichen. Nach eigener Rechnung liegt Nokia derzeit bei 38 Prozent, muss sich aber auch in Europa gegen die zuletzt recht erfolgreiche Konkurrenten Siemens und Sony Ericsson wehren. (Thomas Borchert, dpa) / (jk)