Erzrivalen Deutsche Telekom und France Telecom wieder auf TuchfĂĽhlung

Zwischen beiden Unternehmen hatte es einst hoffnungsvoll begonnen. Nach dem Zerstreiten über Fusionspläne der Telekom mit Telecom Italia nähern sich der französische und der deutsche Konzern nun wieder an.

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Von
  • Peter Lessmann
  • dpa

Die Zeit heilt alle Wunden, heißt ein Sprichwort. Fünf Jahre nach ihrem Zerwürfnis rücken die Deutsche Telekom und France Telecom wieder enger zusammen. Was der französiche Präsident Jaques Chirac und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in der Politik vorexerzieren, könnte auch Thierry Breton und Kai-Uwe Ricke in der Telekommunikation gelingen -- der Aufbau einer engen deutsch-französischen Partnerschaft. Am Mittwochabend saßen die beiden Vorstandschefs auf dem Berliner Pressekolloquium der Telekom jedenfalls gemeinsam auf dem Podium. Die Chemie zwischen den Top-Managern scheint zu stimmen. "Ich freue mich, dass der Dialog zwischen der Deutschen Telekom und France Telecom wieder in Gang gekommen ist", sagt Ricke. Und Breton hebt seinerseits das große Interesse an einer Zusammenarbeit hervor.

Es sei eine Chance, gemeinsam europäisch zu agieren, unterstreicht Ricke. So prüfen die Telekommunikationsriesen auf dem Gebiet Forschung und Entwicklung gemeinsame Projekte, um Innovationen anzustoßen. Das Thema Breitband steht dabei im Mittelpunkt. Zu Details der Zusammenarbeit äußerten sich Ricke und Breton aber nicht. Welche Perspektiven sich aus dem Wiederaufleben der alten Freundschaft ergeben könnten, ist noch ungewiss. Große Fusionen stehen für beide Unternehmen derzeit nicht auf der Tagesordnung. "Wir sind nicht in Akquisitionsnot", weist Ricke alle Fragen über Zukäufe oder Übernahmen zurück. Tatsächlich hat sich die Telekom durch einen harten Sparkurs im vergangenen Jahr ein gutes Stück aus der Schuldenklemme befreit. Das Gleiche gilt für France Telecom.

Milliardenschwere Zukäufe, glauben Experten, würden beide Konzerne am Kapitalmarkt wieder zurückwerfen. Die Börsenstimmung scheint sich bei den lange Zeit gemiedenen Telekommunikationswerten allmählich wieder ins Positive zu drehen. So kletterte die T-Aktie in diesem Jahr wieder deutlich über ihren Ausgabekurs von 1996. "Zwischen Ricke und Breton gibt es keine Berührungsängste", urteilt Ralf Hallmann, Telekom-Analyst der Berliner Bankgesellschaft, über das Wiederaufleben der Freundschaft zwischen den Deutschen und den Franzosen. Die Führungsmannschaft beider Unternehmen sei praktisch ausgetauscht, die Vergangenheit spiele keine Rolle mehr.

Zwischen beiden Unternehmen hatte es einst hoffnungsvoll begonnen. Rickes Vater Helmut war es, der die Kooperation mit France Telecom Mitte der 90er Jahre angeschoben hatte. Beide Konzerne vereinbarten eine Überkreuzbeteiligung und gründeten mit der US- Telefongesellschaft Sprint das Gemeinschaftsunternehmen Global One. Doch die Partnerschaft ging zu Bruch, als der damalige Telekom-Chef Ron Sommer 1999 hinter dem Rücken der Franzosen einen spektakulären Übernahmeversuch einfädelte: Die Fusion mit Telecom Italia. Das Vorhaben mit den Italienern scheiterte und Ex-France-Telecom-Chef Michel Bon kündigte den Deutschen die Partenerschaft auf. Global One wurde aufgelöst und die Überkreuzbeteiligungen verkauft.

Doch das ist Schnee von gestern. Die neuen Konzernchefs blicken nach vorn. Im Mobilfunk sitzen die Unternehmen über eine lockere Allianz ohne Kapitalbeteiligung schon länger in einem Boot. An dem Verbund sind auch die spanische Telefonica und Telecom Italia Mobile (TIM) beteiligt. Dabei geht es vor allem darum, dem übermächtigen Mobilfunkriesen Vodafone in Europa Paroli zu bieten. (Peter Lessmann, dpa) / (jk)