Körperbilder mit Magnetpartikeln
Das MPI-Verfahren, das beim Philips-Konzern entwickelt wird, soll Ultraschall und Kernspin Konkurrenz machen.
Die Maus trifft es immer zuerst. Im Hamburger Philips-Forschungslabor für Medizintechnik liegt sie in einer engen Röhre mit etwa 12 Zentimeter Durchmesser. Als allererstes Lebewesen weltweit wird sie mit einem völlig neuartigen Bildgebungsverfahren durchleuchtet. Winzige Eisenpartikel zirkulieren dazu durch ihren Blutkreislauf. Mittels eines komplexen Zusammenspiels von Magnetfeldern liefern sie millimetergenau Daten für ein dreidimensionales Video über den Blutkreislauf. "Magnetic Particle Imaging" (MPI) taufte das Team um Erfinder Bernhard Gleich dieses Verfahren. Es soll ohne radioaktive Kontrastmittel schonender als Röntgenstrahlung, genauer als Ultraschall und schneller als die Kernspintomografie gefährliche Gefäßverengungen und Krebsgeschwüre aufspüren, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.
"Bisher müssen Patienten viele Untersuchungen für eine exakte Diagnose durchlaufen", sagt Jörn Borgert, Leiter des MPI-Forschungsprojekts. "Wir wollen alle Informationen in einem einzigen Durchgang erhalten." Damit haben sich die Philips-Forscher ein sehr hohes Ziel gesteckt. Denn Röntgenaufnahmen, Kernspintomografie und nukleare Bildgebungsverfahren wie die Positronen-Emissionstomografie (PET) wurden über Jahrzehnte immer mehr verfeinert und leisten unentbehrliche Dienste im Klinikalltag. Die Bildgebung über im Körper zirkulierende Eisenteilchen dagegen hat sieben Entwicklungsjahre hinter sich und gipfelt derzeit in dem kleinen Prototyp, über den sich höchstens Kleintier-Veterinäre freuen könnten. "Aber bis zu ersten klinischen Anwendungen an Patienten hoffen wir, keine weiteren sieben Jahre mehr zu brauchen", so Borgert.
Die Chancen dafĂĽr stehen nicht schlecht. Denn den Kern der Technologie, der in der exakten Abstimmung statischer und fluktuierender Magnetfelder liegt, haben die Forscher gut im Griff. Und die als Kontrastmittel geeignete Suspension mit den 3 bis 60 Nanometer kleinen Eisenpartikeln ist unter dem Markennamen Resovist bereits fĂĽr klinische Anwendungen zugelassen.
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(bsc)