Die Woche: Debian zwischen Qualität und Pünktlichkeit
Das Debian-Projekt hat Mitte 2009 seine Release-Politik von "when it's ready" auf feste Zyklen umgestellt, trotzdem liegt Debian 6.0 (Squeeze) schon zurück.
- Mirko Dölle
Debian Linux ist vor allem im Server-Bereich das Synonym für eine ausgereifte, "rock stable" Linux-Distribution. Mindestens genauso bekannt ist aber auch, dass es die Debian-Entwickler mit Roadmaps und Terminen nicht so eng sehen -- "it's released when it's ready" war bisher das oberste Mantra und Verspätungen von bis zu einem Jahr gegenüber der ursprünglichen Planung nicht außergewöhnlich.
Mit dieser Release-Politik hob sich Debian bis Mitte 2009 von anderen Linux-Distributionen wie Fedora, OpenSuse, Ubuntu und so weiter ab, die feste Release-Zyklen von sechs bis acht Monaten haben und diese auch meist einhalten -- ergibt sich doch einmal eine Verzögerung, so handelt es sich eher um Tage, nicht um Monate. Bei auch kommerziell angebotenen Linux-Distributionen wie OpenSuse liegt der Grund in der Produktionsplanung für Handbücher, CDs und auch den Vertrieb an die Händler.
Da Debian keine CDs oder Handbücher verkauft, verliert das Projekt nichts, wenn sich das Release (wieder) einmal verspätet. Senkt das Debian-Team jedoch zugunsten eines festen Release-Termins seine Qualitätsstandards, verliert die Distribution ihr Alleinstellungsmerkmal und ihren Ruf. Das hilft weder den Anwendern, die Debian ja gerade wegen der Stabilität einsetzen, noch den Entwicklern, die hundertfach den gleichen längst bekannten Bug gemeldet bekommen, den zu beseitigen sie vor dem Release keine Zeit mehr hatten.
Das Debian Release Team tut gut daran, die Qualität höher zu hängen als einen einmal verkündeten Zeitplan. Den Anwendern ist es letztlich egal, ob sie die neue Version ein paar Wochen früher oder später bekommen -- dank der ausgefeilten und bislang unerreichten Update-Technik lässt sich das System ja jederzeit mit wenigen Befehlen auf den neuesten Stand bringen, egal, welche Debian-Version man ursprünglich zur Installation benutzt hatte.
Was die Debian-Anwender jedoch nicht gebrauchen können, ist eine weitere Linux-Distribution, die aus "Bananen-Software" besteht oder in der sie die Programme, die sie im Alltag benötigen, gar nicht erst finden, weil aufgrund des knappen Release-Termins nicht alle wesentlichen Fehler behoben werden konnten. Gut Ding braucht nunmal Weile. (mid)
Siehe dazu auch:
- Die Woche: Clash of Cultures, Debian, Ubuntu und die Zusammenarbeit
- Die Woche: Debian und pünktliche Releases
(mid)