Studie widerlegt Internet-Mythen

Das Internet macht aus seinen Nutzern keine menschenscheuen Einzelgänger und verstärkt nicht soziale Klüfte.

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Von
  • Wolfgang Stieler

Das Internet macht aus seinen Nutzern keine menschenscheuen Einzelgänger und verstärkt nicht, wie befürchtet, soziale Klüfte. Das sind Ergebnisse einer internationalen Internet-Studie, die das UCLA Center for Communication Policy in Zusammenarbeit mit zahlreichen Forschungsinstituten durchgeführt hat. Dafür wurden in den vergangenen drei Jahren rund 30.000 Menschen in 14 Ländern befragt. In Deutschland ist das Europäische Medieninstitut an der Vergleichsstudie zur Internetnutzung beteiligt.

"Der Mythos von der sozialen Isolation des Surfers ist klar widerlegt", sagte der Direktor des Europäischen Medieninstituts, Jo Groebel. Internet-Nutzer seien sozial wesentlich aktiver als Fernsehzuschauer. Dies bedeute natürlich nicht, dass frühere Untersuchungen zu diesem Thema sich als falsch herausgestellt hätten, aber Internet-Nutzung sei mittlerweile "so weit verbreitet, dass auch die Internet-Nutzer mittlerweile der Normalverteilung in der Bevölkerung entsprechen", so Groebel. Internet-Surfer reduzierten obendrein ihren TV-Konsum. Der Untersuchung zufolge konsumieren Internet-Nutzer weltweit rund fünf Stunden weniger TV in der Woche als ihre Offline-Zeitgenossen -- ein Trend, der zunächst in den USA beobachtet wurde und sich nun weltweit zu bestätigen scheint.

Die Möglichkeiten des Internet als weltweiter Kommunikationsplattform sind laut Groebel allerdings überschätzt worden. "Es gibt zwar eine immense Ausweitung des persönlichen Kommunikationsraumes, ein Mehr an sozialen Beziehungen, aber meist wird dieser Raum durch die jeweilige Muttersprache begrenzt." Nur eine Minderheit fühle sich zum Beispiel im Englischen so sicher, um in dieser Sprache zu schreiben. Die anfänglichen Befürchtungen, der Zugang zum Internet werde soziale Abstände verstärken, habe sich nicht bestätigt. Im Gegenteil: "Dort, wo das Internet eingesetzt wird, schließen sich eher Klüfte".

Siehe dazu auch Telepolis (wst)