Virtuelle Arbeitsagentur teurer als geplant [Update]
Die Gesamtkosten für Arbeitsagentur.de sollen 100 Millionen Euro betragen, heißt es in einem Zeitungsbericht. Die Bundesagentur für Arbeit widerspricht.
Die Bundesagentur für Arbeit hat laut Wirtschaftswoche eingeräumt, dass die Kosten für den Online-Arbeitsmarkt Arbeitsagentur.de wegen "weiterer Anforderungen inhaltlicher und technischer Art" 100 Millionen Euro betragen. Im Janur 2002 habe der IT-Dienstleister Accenture ein Angebot von 35 Millionen Euro vorgelegt. Bei Vertragsabschluss habe sich die Summe mit 65,5 Millionen Euro schon fast verdoppelt.
Der "virtuelle Arbeitsmarkt" startete am 1. Dezember 2003. Es ist als Arbeitsmarkt- und Vermittlungsportal mit Suchmechanismen für Arbeitgeber, Arbeitsuchende und Mitarbeiter gedacht. Zentrales Element des Portals ist ein System zum Abgleich von Qualifikationen, Stellenangeboten und Bewerbern.
[Update]
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) widerspricht dem Bericht der Wirtschaftswoche. "Die Kosten für den ursprünglichen Vertrag mit der Firma Accenture belaufen sich auf 65,5 Millionen Euro. Die in diesem Vertrag fixierten Leistungen werden auch zu diesem Preis erbracht", heißt es in einer Mitteilung der BA. Nur ein geringer Teil der Kosten entfalle auf die Online-Jobbörse. Den größeren Anteil mache "die Ablösung der internen Vermittlungs- und Beratungssysteme aus, die seit Mitte der 80er Jahre im Einsatz sind und auch nach Auffassung des Bundesrechnungshofes dringend modernisiert werden müssen". 2,1 Milliarden Datensätze müssten ohne Datenverlust migriert werden.
Die in Medienberichten als ursprünglicher Kostenrahmen erwähnten 35 Millionen Euro stammten demnach aus einem ersten Angebot von Accenture, das nicht für die Vergabeentscheidung bewertet worden sei, da diesem Angebot falsche Voraussetzungen zugrunde gelegt hätten. Außerdem hätten sich bei der Umsetzung des Projektes zusätzliche Anforderungen ergeben. Im ursprünglichen Auftrag sei von einer Nutzerfrequenz von täglich rund 500.000 Besuchern ausgegangen worden. Diese habe wegen der "guten Inanspruchnahme" des neuen Angebotes fast verdoppelt werden müssen. Es gebe bereits neue Erweiterungswünsche mit einem Volumen von etwa 22 Millionen Euro, teilt die BA mit. Bevor die weiteren Anforderungen in Auftrag gegeben werden, soll überprüft werden, ob sie wirtschaftlich umzusetzen sind. So könnte sich ein Gesamtvolumen von rund 100 Millionen Euro ergeben.
Auch gebe es zum eingesetzten Jobroboter keine preiswertere Alternativen. Ein bei der BA eingereichtes vergleichbares Angebot sei wesentlich teurer als der jetzt eingesetzte Jobroboter gewesen. Die BA weist Kritik an dem Algorithmus zurück, der dem virtuellen Arbeitsmarkt zugrunde liegt. Der Algorithmus "Elise" werde zwar in Belgien erfolgreich eingesetzt, sei für Deutschland aber zu klein. Sollte es zu längeren Antwortzeiten kommen, liege das nicht am Algorithmus, sondern an der Verschlüsselung des Portals. Daran werde derzeit gearbeitet. Durchschnittlich liegen die Antwortzeiten laut BA derzeit bei 1,72 Sekunden. Die Systemverfügbarkeit betrage 99,85 Prozent.
Zum Thema "virtueller Arbeitsmarkt" siehe auch: (anw)
- Virtuelle Arbeitsagentur erntet heftige Kritik
- "Virtueller Arbeitsmarkt" der Bundesanstalt für Arbeit gestartet
- Jobs.de, Manpower und Degussa beteiligen sich am "virtuellen Arbeitsmarkt"
- Online-Jobbörsen wollen Bundesanstalt in Alternativ-Plan einbinden
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- Auf dem Weg zum "virtuellen Arbeitsmarkt"