Die Rache der kleinen Maschine
Gehören Sie auch zu den Menschen, die ihrem Computer einen Namen gegeben haben? Nein, ich spreche nicht von „altes Miststück, Dreckskiste“ und ähnlichen Kosenamen, die ich hier nicht zitieren möchte.
Gehören Sie auch zu den Menschen, die ihrem Computer einen Namen gegeben haben? Nein, ich spreche nicht von „altes Miststück, Dreckskiste“ und ähnlichen Kosenamen, die ich hier nicht zitieren möchte. Ich meine echte, persönliche Beziehungen zu Maschinen. Nie? Nicht mal ein ganz kleines bisschen, ganz heimlich der Maschine eine eigene Persönlichkeit zugeschrieben? So etwas wie Leben?
In Japan soll der Glaube an die Beseeltheit der unbelebten Natur ja viel weiter verbreitet sein als hier. Hierzulande dürfte es ganz drauf ankommen, wen man fragt – Geeks und Nerds reden wahrscheinlich genauso häufig mit ihren Maschinen wie echte Autofans.
Ich weiß, das ist jetzt keine echte Überraschung, aber ich muss es loswerden: Auch ich persönlich bin fest davon überzeugt, dass was dran ist am geheimen Leben der Objekte. Kürzlich zum Beispiel, als ich für den Fokus im April-Heft zum Thema „Industrieroboter“ recherchiert habe, stieß ich auf ein ganz entzückendes Dokument der Zeitgeschichte: einen Kommentar aus der ZEIT vom 17.10.1980.
„Das ist zeitgeschichtlich interessant, aber was hat das mit dem Eigenleben von Maschinen zu tun?“ werden Sie berechtigterweise fragen. Nun, der „Kollege Roboter“ erscheint in diesem Kommentar als bedrohlicher Jobkiller. Zwar mildert der Kollege Jungblut das Urteil ab, indem er argumentiert, dass es „in der Natur der Sache“ liege, dass „Rationalisierung fast immer bedeutet, daß die gleiche Produktion mit weniger Arbeitskräften bewältigt werden kann“. Aber die ablehnende Haltung bleibt erhalten.
Und jetzt treten wir mal einen Schritt zurück und schauen auf die zugehörige Index-Seite, die jeden Korrektor zu Tode erschrecken dürfte: unleserliche Sonderzeichen, Vertipper, Buchstabendreher, fehlende oder überreichliche Leerstellen – viele Sätze sehen so aus, als hätte sie der Praktikant nachts um halb drei mit zwei Promille im Blut auf der uralten elektrischen Kugelkopfmaschine abgetippt.
Hat er aber nicht. Ich gehe jede Wette ein, dass diese Seiten mit einem vollautomatischen Scanner erfasst worden sind. Einem ROBOTER. Und? Dämmert da was? Ich sehe die Maschine vor meinem geistigen Auge fast kichern, wenn sie hier mal ein Sonderzeichen setzt und dort mal einen Buchstaben fallen lässt. Und sich dabei vorstellt, wie es all die klugen Menschen gruselt, die diese Texte lesen werden – in denen so abfällig von ihresgleichen gesprochen wird. (wst)