ProzessorgeflĂĽster

Noch sind sie offiziell noch gar nicht erschienen, die neuen Serverprozessoren Nehalem-EX von Intel und Magny-Cours von AMD, doch im Vorfeld läuft der Wettbewerb zwischen den vielzylindrigen Formel-1-Boliden bereits auf vollen Touren. Und in englischen und kanadischen Webshops kann man sie auch schon erwerben.

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Von
  • Andreas Stiller

Auf der CeBIT sind ein paar Wochen vor dem eigentlichen Stapellauf bereits zahlreiche Serversysteme mit dem Acht-Kern-Prozessor Nehalem-EX zu bewundern. Wer will es den Firmen verdenken, durfte ja SGI schon vor drei Monaten anlässlich der Supercomputer 2009 im Ultraviolet-System mit diesem Prozessor auftrumpfen. Das Schöne an dem Nehalem-EX sind die unterschiedlichen Lösungen, die sich die Hersteller bezüglich Speichererweiterung und dem Zusammenkoppeln mehrerer Racks oder Blades ausdenken können, QuickPath macht’s möglich. Und mit der preiswerten „Celeron-Variante“ des Nehalem-EX – eine etwas langsamere 6500-Familie mit weniger QuickPath-Interfaces – will Intel zusätzlich zur Diversifikation des Marktes beitragen.

Offizielle Performance-Angaben zum Nehalem-EX gibt es noch nicht, aber längst schon kursieren diverse Werte im Internet, etwa auf der spanischen Bull-Seite (nein, nicht der Stier von Osborne, sondern die französische Firma).

Mit in den Diagrammen sind auch die Westmere-EP-Prozessoren X56XX zu finden, die neuen Sechskern-Prozessoren in 32-nm-Technik, die ebenfalls in der Pole-Position auf ihren Start kurz nach der CeBIT warten. Unter dem Codenamen Gulftown kommen sie auch als Einzelprozessoren fĂĽr die Liga der Tourenwagen, also die anspruchsvollen Desktop-PCs.

Kurz nach Beginn der Formel-1-Rennsaison (Mitte März in Bahrain) will auch AMD das 8- beziehungsweise 12-Kerne-Modul Magny-Cours (Opteron 6000) ins Rennen einführen, wiewohl Magny-Cours als traditioneller Veranstaltungsort inzwischen aus dem viel zu teuren F1-Zirkus ausgestiegen ist. AMDs Logo wird aber wohl doch noch in dieser Saison und vielleicht auch länger auf den Heckspoilern der Ferrari-Renner prangen. Möglicherweise hat Ferraris neuer Großsponsor und AMD-Retter Mubadala aus Abu Dhabi dabei mitgeholfen. Und so könnte der nächste AMD-Chip dann Yas Marina Circuit heißen – nach der in Abu Dhabi liegenden Rennpiste, die in diesem Jahr das Formel-1-Finale aufnehmen darf.

Tyan-Server mit Opteron 6174 G34 (Magny-Cours) via eBay fĂĽr 25000 Dollar

Erste Opteron-61xx-Prozessoren (7700 Dollar für den Vierersatz) und Server, etwa der Tyan-Server mit Opteron 6174 für 25 000 US-Dollar werden bereits bei eBay verhökert. Laut Manager John Frühe liefert AMD den Chip für den G34-Sockel (mit 1944 Pads) seit Ende Januar an die Server-Hersteller aus. In Internet-Preissuchmaschinen sind drei Magny-Cours-Versionen aufgetaucht, nämlich Opteron 6168 (1,9 GHz), 6172 (2,1 GHz) und 6174 (2,2 GHz). Alle weisen je 12 Kerne auf sowie eine „TDP“ von 115 Watt – möglicherweise ist aber die AMD-spezifische Average CPU Power (ACP) gemeint. In britischen Webshops sind die Prozessoren bereits zu Preisen ab umgerechnet etwa 665 Euro zu haben. Ebenfalls zu finden sind Octo-Core-Prozessoren der Baureihe Opteron 6100; dabei soll es sich laut Preisvergleichern um Opteron 6128 (1,5 GHz), 6134 (1,7 GHz) und 6136 (2,4 GHz) handeln.

Im Internet, hier auf der spanischen Website von Bull, findet man überall schon „erwartete“ Performance-Werte von Westmere-EP (X56XX) sowie der Nehalem-EX-6500- und 7500-Familien.

Die Performance des Opteron 6174 dürfte im Bereich von rund 430 SPECint/fp_2006 für Vier-Sockelsysteme liegen. Damit kann er nicht ganz mit den Spitzenprodukten der Nehalem-EX-Familie mithalten, denn der Xeon X7560 mit 2,26 GHz müsste, wenn man die „Expectativas” auswertet, im 4S-System auf über 600 kommen. Aber über den Preis kann man ja noch allerhand regeln, um dem seit dem Barcelona-Desaster ziemlich angeschlagenen Serverbereich bei AMD wieder auf die Beine zu helfen. Mit vergleichsweise recht günstigen 1030 Euro für den Opteron 6136 kostet er gemäß der aktuellen Angebote im Web ja nur ein Drittel des Xeon X7560 (2,26 GHz, 24 MByte L3, 130 Watt TDP), den man in kanadischen Webshops für edle 4407,89 kanadische Dollar (etwa 3145 Euro) angeboten findet.

Derweil dreht sich bei AMD allerdings nicht nur das Prozessor-, sondern auch das Personalkarussell weiter. Der von ATI zu AMD gekommene und dort zum Marketing-Chef avancierte Kanadier Ian McNaughton hat völlig überraschend die Firma verlassen – Ausstiegsgründe und Ziel sind bislang unbekannt. Und dabei geht es doch gerade der von ATI abstammenden Grafikabteilung der Firma weit besser als der angeschlagenen Serverabteilung. Hilfreich ist hier insbesondere die Tatsache, dass man in aller Ruhe noch ganz allein den Markt der DirectX-11-Karten bestücken kann.

Konkurrent Nvida wird dazu wohl noch ein bisschen brauchen. Die kalifornische Firma hofft, gegen Ende dieses Quartals einigen Testern die ersten Fermi-Grafikkarten zur Verfügung stellen zu können. Bis zur Massenfertigung dürfte dann aber noch der ein oder andere Monat ins Land gehen. In der halbgenauen Internet-Küche brodeln jedenfalls weiterhin die Gerüchte über große Designprobleme und Fertigungsschwierigkeiten des mit 3 Milliarden Transistoren derzeit weitaus größten Chips. Mit seinem A3-Step ist er aber auch noch in einem recht jungen Stadium. Intel bringt zum Teil die Prozessoren erst im E-Step auf den Markt. Aber auch mit den alten DirectX-10-Karten, mit Mobile-Grafikchips und Chipsätzen kann man noch gut Umsatz generieren. Dieser stieg im letzten Quartal mit 983 Millionen US-Dollar immerhin auf das Doppelte des Vorjahresquartals. Und so konnte Nvidia auch wieder einen Gewinn in Höhe von 131 Millionen US-Dollar ausweisen. Das gesamte Bilanzjahr 2010 lag jedoch mit 68 Millionen im Roten. Bleibt zu hoffen, dass Nvidia mit den Fermi-Chips den Markt bald richtig wieder aufmischen kann, denn AMD/ATI ohne Konkurrenz ist keinen Deut besser als Intel allein bei den x86-Prozessoren. (as)