Microsofts Zahlungen an UN-Mitarbeiter im Zwielicht
Der Redmonder Softwarekonzern versucht laut Medienberichten anscheinend Einfluss auf die Standardisierungspolitik der UNO auszuĂĽben.
Microsoft soll durch einige Aktivitäten Einfluss auf das United Nations Centre for Trade Facilitation and Electronic Business (UN/CEFACT) genommen haben, das unter anderem an E-Business-Standards arbeitet. Die New York Times berichtet, der Softwarekonzern habe Ende 2002 und Anfang des vergangenen Jahres zwei Mitglieder des UN-Unterausschusses angeworben. Im vergangenen März habe ein Microsoft-Mitarbeiter einen Vorschlag für eine Alternative zu dem von der UN bis dahin bevorzugten ebXML namens Business Collaboration Framework (BCF) vorgelegt. Außerdem sollen die Redmonder eine Reise von drei UN-Mitarbeitern in sechs Länder bezahlt haben, damit diese dort Werbung für BCF betreiben. IBM, die ebenfalls BCF bevorzugen, seien an den Zahlungen nicht beteiligt gewesen.
Microsoft und Vertreter der UNO weisen die VorwĂĽrfe laut dem Bericht zurĂĽck. Die Zahlungen des Softwarekonzerns seien ohne Hintergedanken geschehen und vertrĂĽgen sich mit den Richtlinien der UNO. Damit sind die Reisekosten gemeint und nicht das Bargeld und die Software im Gesamtwert von einer Milliarde US-Dollar, die Microsoft im Kampf gegen die Armut der UNO zukommen lassen will.
Seit 1999 arbeiten UN/CEFACT und die Organization for the Advancement of Structured Information Standards (OASIS) zusammen an der ebXML-Initiative, an deren Ende ein auf XML basierendes Protokoll zum Datenaustausch im Bereich des E-Business stehen soll. Im April 2002 sabotierte IBM mit PatentansprĂĽchen den Standard ebXML. Kurz darauf hieĂź es, IBM werde keine LizenzgebĂĽhren anmelden. (anw)