Schnee von Gestern
Warum gutes Design auch immer BauchgefĂĽhl braucht und das nicht immer eine gute Sache ist.
Dienstag wird es wieder schneien. Ich bin sicher – am Dienstag fängt die CeBIT an an, und es schneit immer zur CeBIT. Höchstwahrscheinlich wird das Zeug aber nicht mehr liegen bleiben. Glücklicherweise tauen die schmutziggraubraunen Schneeberge am Wegesrand nun langsam weg. Mit ihnen vergeht auch die Erinnerung an die Tage und Wochen, in denen flotte kleine Schneeschieber mit emsigen Gebrumme spiegelglatte Fuß- und Radwege erzeugten. Bilde ich mir das nur ein, oder hat es in diesem Winter förmlich in Deutschland eine Invasion dieser Maschinen gegeben?
Jedem, der auch nur ein paar Minuten nachdenkt, wird klar, dass das Prinzip den Mini-Schneeschiebers nicht funktionieren kann, wenn die Schaufelkante sich fünf Zentimeter über dem Boden bewegt – klarer Fall von Designfehler. In der Regel erwachsene, vernunftbegabte Menschen haben mit diesen Teilen offensichtlich totalen Unfug produziert: Die Illusion geräumter Flächen bei minimaler Wirksamkeit und maximalem Energieverbrauch. Warum tun die das?
Don Norman hat in seinem Buch "Design of Future Things" geschrieben, dass gutes Design immer eine Komponente haben sollte, die er “visceral“ genannt hat – ich übersetze das mal mit "Bauchgefühl". Bei relativ vielen Maschinen lässt sich dieses Bauchgefühl wahrscheinlich am ehesten mit einem satten "Wrooooummmmm" illustrieren – ein technisch induziertes Allmachtsgefühl, das anscheinend direkt gekoppelt ist mit der kollektiven Erinnerung an den ersten erfolgreichen Gebrauch der Keule. Offenbar schaltet dieses Allmachtsgefühl höhere kognitive Fähigkeiten zielsicher aus.
Wie man das ändern kann? Keine Ahnung, aber so, wie die FAZ es am 12.2. vermeldete, sicher nicht: Nach Einschätzung von Christian Malorny, bei McKinsey für die deutsche Auto-Industrie zuständig, sei es für die geplante Markteinführung von Elektro-Autos entscheidend, vor allem die an Technik und Umweltschutz besonders interessierten Erstkäufer zu verstehen. "Diese sind bereit, sich rein elektrisch angetriebenene Autos anzuschaffen, obwohl sie mit einer Batterieladung deutlich weniger weit fahren können als mit einem vollgetankten Verbrennungsmotorfahrzeug", so das Blatt. Erstkäufer von Elektroautos legten Wert darauf, dass man ihr Engagement für die Umwelt auch erkennen könnte, zitiert es den Unternehmensberater. Mittel für eine solche Kennzeichnung seien etwa "besondere Farben, die von den Herstellern nur für diese Modelle reserviert werden, sowie grüne Nummernschilder".
(wst)