Neuer Ärger bei Online-Stellenbörse der Arbeitsagentur

Der für die "virtuelle Arbeitsagentur" zuständige Leiter wurde von seinen Aufgaben entbunden; die Bundesagentur für Arbeit will die Rechtmäßigkeit der Auftragsvergabe und die Kostenexplosion überprüfen.

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Von
  • Jürgen Kuri

Die "virtuelle Arbeitsagentur", der Online-Auftritt mit Stellenbörse des nunmehr Bundesagentur für Arbeit genannten Arbeitsamts, kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus: Der bei der BA für das Online-Projekt zuständige Leiter Jürgen Koch wurde vom neuen Agentur-Chef Frank-Jürgen Weise, der vor kurzem Florian Gerster nachfolgte, gefeuert, berichten der Spiegel und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Ursache seien technische Mängel, ausufernde Kosten und Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Ausschreibung.

Kritik an dem neuen Onlineauftritt der Bundesagentur für Arbeit, der ein Kernstück des Umbaus der Nürnberger Behörde in einen modernen Dienstleister sein sollte, gab es schon seit Bekanntwerden des Projekts. Die elektronische Stellenbörse soll Erwerbslose schneller wieder in Jobs bringen, die internen Abläufe in den Arbeitsämtern straffen und Jobsuchenden sowie Arbeitgebern Wege zu den Dienststellen ersparen. Zuletzt hatte das Handelsblatt berichtet, dass der Online-Auftritt unter arbeitsagentur.de weit teurer sei als ursprünglich geplant und mit dem IT-Dienstleister Accenture vereinbart -- was aber zu Widerspruch aus der Bundesagentur führte. Aber auch die Startschwierigkeiten des Online-Angebots und die Konkurrenz mit privatwirtschaftlichen Unternehmen sorgten für Aufregung. So kritisierten etwa einige der großen Online-Jobbörsen, dass sie durch den "virtuellen Arbeitsmarkt" in ihrer Existenz gefährdet würden.

Nun scheint es doch eine Kostenexplosion für das Online-Angebot zu geben; Weise lässt zudem prüfen, ob Auftragsvergaben im Rahmen dieses Projektes korrekt erfolgt seien. Die Kosten für den virtuellen Arbeitsmarkt sollten 65 Millionen Euro betragen. Neue Berechnungen hätten allerdings ergeben, dass mit den geplanten Erweiterungen bis 2008 Kosten von rund 125 Millionen Euro anfallen würden. Hinzu kämen weitere interne Kosten in Höhe von rund 40 Millionen Euro für eine Erweiterung des BA-internen Netzes.

Der weitere Ausbau ist nun offensichtlich verschoben: Erst sollen alle Fehler beseitigt und die Ungereimtheiten geklärt werden, bevor beispielsweise die Online-Stellenbörse mit dem Vermittlungssystem der lokalen Arbeitsagenturen verbunden wird.

Zum Thema "virtueller Arbeitsmarkt" siehe auch: (jk)