Antrag auf kostenpflichtige Domain-Warteliste

Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) will beim US-Handelsministerium die Zustimmung für den Waiting List Service beantragen, über den man sich für bereits vergebene Domains registrieren lassen kann.

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Von
  • Monika Ermert

Der Vorstand der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) hat in seiner Sitzung heute in Rom beschlossen, beim US-Handelsministerium grünes Licht für den Waiting List Service (WLS) der Firma VeriSign zu beantragen. Mit diesem Dienst sollen sich Kunden die Registrierungsoption auf eine aktuell vergebene Domain erkaufen können. Sie wird eingelöst, sobald die jeweilige Domain wieder frei wird.

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, kann sich VeriSign damit keineswegs der Zustimmung zu dem umstrittenen Dienst sicher sein. In den offenen ICANN-Forumsdebatten hatte in den vergangenen beiden Tagen ein heftiger Streit um den neuen Service getobt, der auch Gegenstand einer von VeriSign angestrengten Klage ist.

Mit der heutigen Entscheidung stimmten die Direktoren zu, dass ICANNs Präsident, Paul Twomey, die notwendigen Änderungen im Vertrag zwischen ICANN und dem .com/.net-Verwalter VeriSign vornehmen kann. Vorab muss jedoch das Handelsministerium zustimmen. "Eine derart substanzielle Vertragsänderung würden wir nicht ohne Prüfung und Zustimmung des Handelsministeriums eingehen", betonte der ICANN-Vorsitzende Vint Cerf. Damit bekräftigte er zugleich auch ICANNs Position, dass WLS ein Registry-Service ist. VeriSign bestreitet das in der Klage. Sollte sich das Handelsministerium der ICANN-Sichtweise anschließen, könnte das VeriSigns Position im weiteren Rechtsstreit schwächen.

ICANN will darüber hinaus mit VeriSign in Verhandlungen über die Ausschreibung der .net-Registry treten. Die aktuelle Delegierung an VeriSign läuft demnach spätestens zum 30. Juni 2005 aus. Neue Verhandlungen sollen vertragsgemäß ein Jahr zuvor beginnen, sagte ICANN-Präsident Twomey. Sein Kollege Vint Cerf betonte zwar, dass dies ein ganz normaler Vorgang sei, doch die nachgeschobene Klarstellung durch einen ICANN-Justiziar, dass auch VeriSign eine Bewerbung um die .net-Registry offen stehe, war einer von vielen Seitenhieben, die VeriSigns Vertreter Chuck Gomes in Rom einstecken musste. Hinter vorgehaltener Hand plädierte so mancher Teilnehmer dafür, VeriSign "aus dem DNS zu jagen".

Nicht erfüllt haben sich die Hoffnungen der zahlreichen WLS-Gegner. US-Registrar Jeff Field hatte beispielsweise gestern den Vorstand aufgefordert, das WLS nicht zuzulassen. Es zwinge die Registrare, weitere Services von VeriSign einzukaufen, da diese sonst keinen Zugriff mehr auf auslaufende Domains hätten. (Monika Ermert) / (mw)