Ein Riecher fĂĽr Entscheidungen

Caterina Fake, Mitbegründerin des höchst populären Fotodienstes Flickr, betreibt nun mit Hunch.com eine Website, die Nutzern mit Community-Hilfe bei wichtigen und weniger wichtigen Entscheidungen helfen soll.

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Caterina Fake, Mitbegründerin des höchst populären Fotodienstes Flickr, betreibt nun mit Hunch.com eine Website, die Nutzern mit Community-Hilfe bei wichtigen und weniger wichtigen Entscheidungen helfen soll.

Wenn jemand im Internet bereits einen Top-Hit gelandet hat, ist das Interesse an seinem (oder ihrem) nächsten Projekt natürlich besonders groß. Für Caterina Fake gilt das ganz sicher: Sie gehört zusammen mit ihrem Ehemann Stewart Butterfield zu den Gründern des erfolgreichen Bilderdienstes Flickr, der heute eine Tochter des Internet-Konzerns Yahoo ist. Inzwischen haben sowohl Fake als auch Butterfield das Unternehmen verlassen, um eigenen neuen Projekten nachzugehen. Was Fake macht, hört auf den Namen Hunch.com, zu Deutsch: "Ahnung, Intuition" – ein Angebot, das Usern mit Hilfe eines ausgefuchsten Algorithmus samt Community-Aspekten bei wichtigen wie eher trivialen Entscheidungen helfen soll.

Die Grundidee dabei ist es, eine Nische neben "echten" Suchmaschinen zu finden. Denn: Google und Co. sind beim Beantworten direkter Fragen noch immer nicht besonders gut, weil sie vor allem das liefern, was im Web zu finden ist. Auch bei der semantischen Analyse von Suchergebnissen hapert es noch.

Interessant an Hunch ist zunächst einmal das Konzept, mit dem das Angebot vorgeht: Man stellt zu Beginn eine Frage, die bereits in der Datenbank enthalten ist. Anschließend versucht Hunch, über diverse Zusatzfragen zu einer Entscheidung zu kommen. Auf die Frage "Sollte ich ein neues Haus kaufen?" wird man dann gebeten, zu erläutern, ob man bereits eines im Auge hat, wie viele Kinder man hat, wie viel Geld man für die Hypothek im Monat aufbringen kann oder ob man derzeit in seiner Mietwohnung genügend Platz hat. So kommt nach 10, 20 oder sogar 30 Fragen eine Antwort zustande.

Will man sie früher, kann man mit "Gib mir meinen Hunch" das Prozedere abbrechen. Das Ergebnis wird dann in Prozent für "Ja" oder "Nein" ausgedrückt, wozu es auch noch Beschreibungen oder Links zu passenden Angeboten gibt, in unserem Beispiel eine Immobilien-Website. Der Dienst, der sich auch ein wenig großspurig "Entscheidungssystem mittels kollektiver Intelligenz" nennt, ist nach Registrierung kostenlos – weil sich stets passende Werbung platzieren lässt.

Informationen zum Nutzer selbst (und zur Verbesserung seiner eigenen Datenbank) erfährt Hunch nicht nur durch Zusatzfragen, die im Beantwortungsprozess gestellt werden, sondern auch über die Funktion "Lehre Hunch etwas von Dir". So kann man dem Dienst mit wenigen Mausklicks beispielsweise erklären, dass man in einer Stadt wohnt, welchen Arbeitsstil man mag oder welche Pommes frites-Art man bevorzugt.

Neben "Ja/Nein"-Antworten gibt die Website auch Empfehlungen ab, beispielsweise dazu, welche Blogs man lesen sollte oder welche Digitalkamera am besten für die eigenen Bedürfnisse geeignet ist. Registrierte Nutzer können dem Angebot helfen, besser zu werden, indem sie weitere Unterfragen ergänzen. So soll mit der Zeit eine große Wissensdatenbank wachsen, die immer genauer wird. Derzeit sind die Ergebnisse je nach Fragestellung teilweise sehr gelungen, manchmal verbesserungsbedürftig.

Seit dem Start im Sommer 2009 hat Hunch bereits 44,8 Millionen "Lehre Hunch etwas von Dir"-Fragen gestellt und beantwortet bekommen. Im Monat helfen im Schnitt 22.000 Nutzer mit Beiträgen aus. 50.000 Anfragen kommen Tag für Tag dazu. Das Angebot ist mit inzwischen 5000 Themen gut ausgebaut – von "Das Richtige tun" (Bildung, Beruf) über "Sprich nicht darüber" (Politik und Religion) und "Nur raus hier" (Reisen) bis hin zu "Mach' mich schön" (Beauty und Sport).

Ganz neu ist die Hunch-Grundidee nicht, wenn sie auch bei anderen Anbietern anders gelöst ist als in dem Community-betonten Web 2.0-Angebot. "Yahoo Answers", "gutefrage.net" oder "Lycos IQ" ermöglichten oder ermöglichen es Usern bereits seit mehreren Jahren, Fragen zu stellen, die dann von anderen Nutzern mehr oder weniger schnell beantwortet werden – ohne Multiple-Choice-Verfahren. Dabei hat man es aber keineswegs stets mit Experten zu tun; viele Ergebnisse werden schlicht ergoogelt. Um so wichtiger sind Quellenangaben. Trotzdem sorgt ein Reputationsmanagement dafür, dass gute Antworten belohnt werden.

Ein Versuch, Nutzern die Möglichkeit zu geben, mit ihrem Wissen einen Nebenverdienst zu erwirtschaften, war "Google Answers". Der Dienst, bei dem man auf gute Antworten kleine Geldbeträge aussetzen konnte, wurde allerdings von dem Suchmaschinenriesen inzwischen in Rente geschickt. Noch etwas ausgefeilter sind Angebote wie "Aardvark" oder "Mahalo Answers", die den Community-Aspekt betonen, auch per Smartphone erreichbar sind oder sogar eine eigene "Währung" eingeführt haben, die sich per Kreditkarte auffüllen lässt. (bsc)