Oracles Preisnachlässe: Wie mans macht, macht mans falsch

Der Softwareriese Oracle wird zur Legitimation seiner ĂśbernahmegelĂĽste auf den Mitbewerber Peoplesoft seine Rabattangebote an Softwarekunden vor Gericht offen legen.

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Von
  • Hans-Peter SchĂĽler

Der Softwareriese Oracle wird zur Legitimation seiner ĂśbernahmegelĂĽste auf den Mitbewerber Peoplesoft seine Rabattangebote an Softwarekunden vor Gericht offen legen. US-Bezirksrichter Vaughn Walker, der das fĂĽr Juni anberaumte Anti-Trust-Verfahren leiten soll, hat Oracle aufgefordert, Formulare seiner Vertriebsmitarbeiter mit deren Rabattangeboten vorzulegen. Die Ellison-Company feilscht zwar offenbar noch ĂĽber die Menge der vorzulegenden Dokumente, will der Forderung aber prinzipiell nachkommen, wie sie am gestrigen Dienstag bekannt gab.

Damit dürfte als unbestritten gelten, dass Oracle seine Unternehmenssoftware mit Preisnachlässen in den Markt drückt, doch was dieser Umstand über die Marktsituation aussagt, bewerten die einzelnen Parteien je nach ihrer Interessenlage ganz verschieden: Schon lange hatten die Protagonisten des Marktführers SAP hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, Unternehmenssoftware Marke Ellison sei nur durch Quersubventionen aus dem profitablen Datenbankgeschäft konkurrenzfähig. Diesen Standpunkt scheinen auch die US-Kartellwächter zu teilen: Sie würden sich wohl kaum für die Oracle-Formulare interessieren, wenn sie nach einem Zusammenschluss von Oracle und Peoplesoft nicht ein Ende des Preiskampfs befürchteten.

Im Oracle-Hauptquartier argumentiert man genau entgegengesetzt: Dort will man von einem preistreibenden Anbietermangel nichts wissen. Gerade der Preiskampf zeige, dass die Kartellbehörde den Markt nur schlechtrede, in Wirklichkeit gebe es aber zahlreiche kleinere Anbieter, die sich zusätzlich zu den Platzhirschen um die Softwarebedürfnisse von Großunternehmen kümmern.

Vor Gericht könnte Oracle genau zwischen den Stühlen gelandet sein: Ohne Rabatte riecht der Markt nach Monopol, und mit Rabatten nach Monopolgefahr. In beiden Fällen erscheint ein Zusammenschluss unter Marktführern wenig erwünscht. (hps)