GDC: Nintendo kombiniert Spaß mit Schrecken
Obwohl im eigenen Unternehmen als Ulknudel bekannt, offenbart Nintendo-Direktor Yoshio Sakamoto sein Faible für Gewaltfilme.
Horror und Humor sind eigentlich das Gleiche, meinte Yoshio Sakamoto von Nintendo in seinem Vortrag auf der Game Developers Conference in San Francisco. Sie wirken nach fast identischen psychologischen Mustern. Bei beiden setzen Medienmacher daher idealerweise die gleichen Techniken ein, verriet er. Sakamoto, langjähriger Nintendo-Direktor und einer der wichtigsten kreativen Köpfe des japanischen Spielekonzerns, hat Erfolgstitel in völlig unterschiedlichen Genres mitentwickelt. Seine spannungsgeladene Weltraum-Serie Metroid hat weltweit mindestens ebenso viele Fans wie die Spaßspiele der Reihe Warioware, bei denen es darum geht, innerhalb von Sekunden kuriose Situationen zu meistern.
Sakamoto pflegt sein exzentrisches Image: Selbst sein Chef, Nintendos Präsident Satoru Iwata, werde aus ihm nicht schlau: "Er hält mich für einen Komiker und kann daher gar nicht verstehen, wie ich mich für Metroid begeistern kann. Sein frühes Schlüsselerlebnis als Spiele-Produzent hatte er, als ein weiblicher Fan seiner frühen Famicom-Spiele ihm zum Valentinstag Pralinen und Liebesgrüße schickte. Die emotionale Beteiligung und Erwartung des Spielenden befördere den Erfolg, erkannte Sakamoto.
(Bild: Nintendo)
Der Japaner studierte daraufhin unter anderem, wie Filmregisseure emotionale Erlebnisse konstruieren, beobachtete aber auch die Arbeitsweise von Komikern auf der Bühne oder in Komödien. Besonders inspiriert hätten ihn der italienische Regisseur Dario Argento, ein Fachmann des Horrorgenres, sowie Brian DePalma, der mit Psycho-Thrillern wie "Dressed to Kill" und "Scarface" Weltruhm erlangt hat. Stimmung, Timing, Vorankündigung und Kontrast seien die grundlegenden Elemente bei allen Meisterwerken des Kinos – ebenso wie bei guten Spielen. Die Musik sei im übrigen das wichtigste Werkzeug, um Gefühle und Erwartungen zu steuern, sagte Sakamoto.
Freunde von Nintendos Weltraum-Abenteuer-Reihe Metroid dürfen sich auf eine Fortsetzung der düsteren Abenteuerszenerie um die Kopfgeldjägerin Samus Aran freuen. Die Handlung wird in den Metroid-Spielen kaum erklärt. Rätsel sind zu lösen, häufig gibt es chronologische oder logische Rücksprünge und nicht-lineare Fortschritte. Der neue Titel "Metroid: Other M" startet in Europa im dritten Quartal.
(Bild: Nintendo)
Vorher erscheint am 30. April "Warioware DIY" für die Handheld-Konsole DSi – die humorvolle Seite Nintendos und seines Managers. Dabei basteln Anwender ihre eigenen Minispiele: Figuren erhalten Comic-Gesichter aus eigenen Fotos oder denen von Freunden. Objekte und Handlungen werden aus Baukästen ausgewählt und eingebaut; auch für Musik, Spielregeln und sonstige Elemente stehen Menüs zum Anklicken bereit. Der Clou aber ist das Verschicken fertiger Kreationen an Freunde, um sie zum Mitspielen zu bewegen (die natürlich auch eine Kopie des Spiels brauchen). Warioware DIY ist seit April 2009 in Japan über drei Millionen Mal verkauft worden.
Eine ähnliche Philosophie verfolgt die in Japan sehr erfolgreiche Tomodachi Collection. Es geht dabei um selbst erdachte Minispiele im Sims-Stil, bei denen der eigene Freundes- und Kollegenkreis mitmachen soll. Insider-Witze, peinliche Situationen am Arbeitsplatz oder bei Rendezvous sollen dabei die Grundlage für die Späße setzen. Sakamoto ist sich allerdings nicht sicher, ob dieser spezifisch japanische Humor auch in anderen Ländern ankommt. Ein Termin für andere Sprachversionen wurde daher noch nicht angesetzt. (hag)