Nokia-Millionen fĂĽr den Fachhandel

Um seine Position im Fachhandel weiter zu festigen, investiert Nokia eine "Millionensumme". Es gibt mehr Unterstützung für die Partner durch Promotions und Kundenveranstaltungen, aber die Händler sind auch selbst gefordert und sollen sich verstärkt weiterbilden.

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Von
  • Folker LĂĽck

Erläuterte in Düsseldorf die Nokia-Fachhandelspläne: "Noch"-Deutschland-Chef Heikki Tarvainen

(Bild: Nokia)

Gemeinsam mit dem deutschen Fachhandel blasen die Finnen zur Aufholjagd gegen die Konkurrenz, die dem Konzern weltweit Marktanteile abgejagt hat. Damit der Handel vermehrt Nokia-Geräte verkauft, investiert der Konzern hierzulande laut Retail-Chef Oliver Fröhlich eine "Millionensumme". Anfänglich unterschätzt habe der weltweite Marktführer die Beliebtheit von Touchscreen-Handys und Applikationen, räumte Deutschland-Chef Heikki Tarvainen ein.

Die rund 2500 Partner von Nokia hierzulande erhalten in nächster Zeit Besuch von einer 22-köpfigen "Field Force", die mit dem Handel nicht nur die Verkaufsziele, sondern auch aktuelle Marketingmaßnahmen bespricht. Die Nokia-Händler sollen durch virtuelle Trainingsrunden im Web ihre Beratungskompetenz steigern und vermehrt Kunden durch Promotionaktionen in ihre 3500 mit Nokia-Produkten bestückten Läden locken. Vertriebsstarke Händler können künftig – ohne etwas dafür zahlen zu müssen – ihren Endkunden kurze Workshops direkt im Laden anbieten, etwa über den Umgang mit einer Navigationslösung auf dem Handy. "Wir bringen damit quasi die Volkshochschule in den Handel", erläutert eine Firmensprecherin.

Während Smartphone-Rivale Apple in Deutschland weiter auf die exklusive Zusammenarbeit mit T-Mobile setzt, will der finnische Konzern die Zusammenarbeit mit allen Netzbetreibern und dem Provider Mobilcom-Debitel ausbauen – etwa durch gemeinsame Werbespots. In Sachen Distributionspartnerschaften stehen erst einmal keine weiteren Änderungen an, nachdem Nokia hier zum Jahresbeginn die Zahl seiner direkten Partner von 15 auf nur noch sieben reduziert hatte, was im ITK-Channel für einige Aufregung sorgte. "Hier ist unsere Strategie richtig", unterstreicht Tarvainen. Wie geplant werde jährlich überprüft, ob die Nokia-Grossisten ihre Ziele erreichen. Die Umstrukturierung stellt Nokia in engen Zusammenhang mit der Firmenstrategie, sich nicht mehr als reiner Hardwareanbieter zu positionieren, sondern Gesamtlösungen bestehend aus Geräten, Zubehör und eigenen mobilen Diensten rund um die Plattform Ovi zu vermarkten.

Mit seinem iTunes-Konkurrenten sieht sich Nokia hierzulande auf einem guten Weg: Mittlerweile sei die deutsche Seite weltweit die Nummer drei unter den Stores, eine für zehn Nokia-Endgeräte erhältliche, kostenlose Fußgänger- und Fahrzeugnavigationslösung sei innerhalb von vier Wochen 3,5 Millionen mal geladen worden. Weitere Zahlen zu Downloads und Marktanteilen des Ovi-Stores verriet Tarvainen aber nicht. Für den Fachhandel ist der wachsende App-Markt jedenfalls förderlich, da dadurch auch der Zubehörbedarf (beispielsweise Fahrzeughalterungen) steigt. Dieses wachsende Segment beschert dem stationären Handel höhere Margen.

Der Finne Heikki Tarvainen, der zum Ende des ersten Halbjahres das Unternehmen verlässt, hatte erst im Mai 2008 die deutsche Nokia-Leitung von Karsten Schilly übernommen. Unter Tarvainens Führung erfolgte der Umbau der Distributions- und Repair-Strukturen. Seine Nachfolgerin wird die ebenfalls aus Finnland kommende Hanna Sievinen. Vielleicht wird Sievinen aus Finnland auch etwas mitbringen, woran es Nokia nach Ansicht vieler Händler derzeit am meisten mangelt: Ein "sexy" Endgerät, über das man spricht. (map)