DivX 5.2 kommt voraussichtlich im Juni
Am Rande der CeBIT sprach der Schöpfer des Ur-DivX Jerome "Gej" Rota über die nächste und kommende Versionen des Videocodecs und die HD-DVD.
Am Rande der CeBIT sprach Jerome "Gej" Rota mit heise online über die kommenden Versionen des beliebten Videocodecs. Laut dem Schöpfer des Ur-DivX und "Codec Team Lead" von DivX Networks soll die nächste größere Release DivX 5.2 voraussichtlich im Juni herauskommen. Zu den wichtigsten Neuerungen soll ein nochmals verbessertes psychovisuelles Modell zählen, das auf Wunsch auch in Kombination mit dem alten Modell verwendet werden könne. Zudem soll DivX einige Features lernen, die man bereits vom Open-Source-MPEG-4-Codec XviD kennt, der inzwischen als dritter und vermutlich letzter Release Candidate vor der finalen Version 1.0 vorliegt.
So dürfen die User selbst Hand an die Quantisierungsmatrizen legen und auch aufeinanderfolgende B-Frames soll DivX 5.2 unterstützen -- bisher setzte DivX immer nur einen von P-Frames umgebenen B-Frame. Ebenso wie XviD soll DivX 5.2 die Zahl der aufeinanderfolgenden B-Frames adaptiv anpassen. Das bedeutet, man gibt keine starre Frame-Konstellation vor (etwa IPBBPBBPBB...), sondern der Codec entscheidet anhand der Komplexität der zu kodierenden Szene eigenständig, wieviele B-Frames er einsetzt. Dadurch soll die kommende Version zwischen 5 und 15 Prozent effizientere Kompression erreichen. Während ältere XviD-AVIs, die aufeinanderfolgende B-Frames einsetzten, auf vielen DivX-tauglichen DVD-Playern zu Rucklern führten, sollen DivX-zertifizierte Geräte auch DivX-5.2-Video mit adaptiven B-Frames problemlos abspielen können. Gleiches dürfte damit auch für XviD gelten.
Obwohl XviD zunehmend größere Beliebtheit erreicht, sieht Rota in dem Open-Source-Format keine Konkurrenz, sondern vielmehr einen Ansporn. Denn natürlich ärgerten sich die DivX-Entwickler, wenn sie sich von den Anwendern vorhalten lässen müssten, dass das kostenlose XviD bestimmte Features besser oder gar allein beherrsche, so der DivX-Schöpfer gegenüber heise online.
Mit Veröffentlichung von DivX 5.2 sollen außerdem Codec und Website in verschiedenen Landessprachen lokalisiert werden, um die Verwendung der Software und die Kommunikation mit anderen Usern in regionalen Foren zu erleichtern.
Microsofts WMV wurde zwar vorläufig als eines der drei Videoformate (WMV9, H.264/AVC sprich MPEG-4 Part 10 und MPEG-2) für die kommende HD-DVD auserkoren. Dennoch geht Rota davon aus, dass Microsoft zumindest nicht alleine das Rennen machen wird, weil daran vermutlich das DVD-Forum zerbrechen würde. (Andererseits soll das entscheidende Meeting, in dem das Steuerungskomitee des DVD-Forums darüber entscheiden soll, in Redmond stattfinden, sodass Microsoft quasi ein Heimspiel hätte [Anm. der Red.].)
H.264/AVC (MPEG-4 Part 10) ist in Rotas Augen noch von der "Serienreife" entfernt. Alle H.264-Ansätze, die er zu Gesicht bekommen habe, seien zwar schneller, dafür aber deutlich weniger effizient als der Referenzcode. Zudem seien die zum Abspielen auf Standalone-Geräten benötigten Chips noch aufwendiger zu produzieren und damit teurer als die für WMV9, die bereits verfügbar sind.
Wenn die Vertreter des DVD-Forums die HD-DVD möglichst schnell in die Läden bringen wollen, kommen sie wohl kaum um WMV9 herum. Solange gibt es schon einmal inoffizielle WMV-HD-DVDs, etwa das Ende April erscheinende DVD-Set "Tomb Raider I & II", das eine DVD mit einer Version in 720p in WMV9 mitbringt und bereits auf der CeBIT zu bewundern sein sollte.
Auch bei der Wahl eines MPEG-2-Nachfolgers für High Definition TV (HDTV) hat Microsoft einen Fuß in der Tür: Die Society of Motion Picture and Television Engineers (SMPTE) berät, ob WMV in den Standard für Digital-TV aufgenommen werden soll.
Laut Rota schlägt sich auch DivX bei HD-Inhalten recht ordentlich: Firmeninterne Tests hätten gezeigt, dass der Codec bei der höchsten aktuellen HD-Auflösung 1080p mit Bitraten zwischen 7 und 8 MBit/s gute Ergebnisse erziele. Dennoch liegen die bereits im Internet aufgetauchten HDTV-Mitschnitte aus dem US-amerikanischen Pay-TV vorzugsweise als WMV oder XviD vor.
Während der DivX-Schöpfer auf der letztjährigen IFA noch hoffte, dass der von grundauf neu programmierte DivX-Nachfolger mit Codenamen "Q" bereits im zweiten oder dritten Quartal dieses Jahres herauskommen würde, verschob er den voraussichtlichen Release-Termin auf 2005. Man komme zwar gut voran, dennoch dauerten die Entwicklungszyklen länger als erwartet. Zudem arbeite DivXNetworks mit einer Vielzahl von Hardware-Herstellern zusammen, was die Entwicklung auch nicht gerade beschleunige. Dafür sollen mit der Veröffentlichung des Codecs aber gleich Player in den Handel kommen, die das Format abspielen können. (vza)