"Die aktuelle Umsatzentwicklung der COS spricht für sich"
Die Insolvenzphase des vergangenen Jahres lastet noch auf COS. Im Interview mit heise resale zieht Mascha Speier, Vorstands-Chefin des Distributors nicht zuletzt die Umsatzentwicklung heran, um zu belegen, dass es wieder aufwärts geht. Unter dem Dach des Best-of-Distribution-Konzerns (BOD) hat sich der Grossist aus Linden sportliche Ziele gesetzt.
(Bild: COS)
Während die Insolvenz im vergangenen Jahr noch auf dem Lindener Distributor lastet, setzt sich die neue COS-Führung unter dem Dach des Best-of-Distribution-Konzerns (BOD) sportliche Ziele. Im Interview mit heise resale bezieht Vorstands-Chefin Mascha Speier Stellung.
heise resale: Sie haben Anfang Februar Dirk Rahn als Vorstand der COS Distribution AG abgelöst. Wie sind Ihre ersten Eindrücke?
Mascha Speier: Wir sind auf gutem Kurs und haben wichtige Zwischenziele erreicht. Mit zahlreichen Herstellern arbeiten wir wieder intensiv zusammen und bieten unseren Partnern ein stetig wachsendes Portfolio an. Die Umsätze wachsen, und die Rückmeldungen unserer Kunden sind positiv. Das zeigt, wir sind auf dem richtigen Weg, und den setzen wir konsequent fort.
heise resale: In Linden werden zwei Bereiche, IT und vor allem Einkauf aufgelöst und bei Devil in Braunschweig zentralisiert. Wird jetzt der Distributor COS auf die Funktion einer Vertriebsorganisation reduziert? Wie unabhängig vom BOD-Konzern kann COS agieren?
Speier: Die COS wird keineswegs auf eine Vertriebsorganisation reduziert. Die bisher geschaffenen Strukturen beinhalten Schlüsselbereiche, die unverändert bleiben: eigener Lagerbestand, eigene Herstellerverträge, eigenes Creditcontrolling, Produktmarketing und die Buchhaltung. Für unsere Kunden ändert sich im Tagesgeschäft nichts, für die Hersteller nach einer kurzen Übergabephase die Ansprechpartner. Dass innerhalb eines Konzerns Synergien genutzt werden, ist nicht ungewöhnlich, sondern sinnvoll. Innerhalb der BOD-Gruppe ist unsere Eigenständigkeit ein fester Baustein der strategischen Ausrichtung.
heise resale: Wie wollen sie den Fachhandel, aber auch Hersteller und Banken davon überzeugen, dass die neue COS an die alten Stärken anschließen kann?
Speier: Den Fachhandel überzeugen wir bereits durch unser Produktportfolio, unsere persönliche und kompetente Kundenbetreuung und gute Preise. Hier werden wir uns weiterhin verbessern, konsequent den Kundenservice und ein ausgewogenes, attraktives Sortiment aufbauen. Viele wichtige Hersteller konnten wir bereits überzeugen, weitere werden folgen. Die aktuelle Umsatzentwicklung der COS spricht für sich. Als neugegründetes Unternehmen "mit Vorgeschichte" werden wir von den Banken aktuell sehr genau beobachtet. Wir erarbeiten uns momentan das Vertrauen Schritt für Schritt zurück.
heise resale: Wie und in welchen Bereichen unterscheidet sich die COS von der Devil AG? Und: Befindet sich die COS tatsächlich auf Augenhöhe mit Devil, wie BOD-Vorstand Axel Grotjahn verspricht?
Speier: COS und Devil begegnen sich innerhalb des Konzerns auf Augenhöhe, weil sie beide einer eigenen strategischen Ausrichtung folgen. Schon vor dem Zusammenschluss hatten die beiden Unternehmen unterschiedliche Unternehmensphilosophien und Kernkompetenzen. Daran hat sich auch unter dem Dach der BOD nichts geändert. Besonders hervorzuheben ist das COS-eigene Produktportfolio: Wir setzen auf beratungsintensivere Produktgruppen wie Netzwerk, TK und Lizenzen.
heise resale: Haben Sie für Ihre Vertriebsschwerpunkte Netzwerk, Telekommunikation und Peripherie die wichtigsten Hersteller im Portfolio?
Speier: Stand heute haben wir die wichtigsten Hersteller im Sortiment – darunter etwa Netgear und Auerswald. Dies gilt auch für die Produktgruppen Peripherie, Komponenten und Mobile, wo wir beispielsweise AMD, Intel, Epson, Dell, MSI, Iiyama und Eizo anbieten können. Das Sortiment wird nun noch um den einen oder anderen Hersteller ergänzt und somit abgerundet.
heise resale: Ohne eigene Finanzstärke kann ein Distributor nicht bestehen. Welche Finanzdienstleistungen bieten sie dem Handel?
Speier: Wir bieten alle Finanzdienstleistungen, die der Kunde im Tagesgeschäft benötigt. Besonders wichtig sind Kreditlinien und individuelle Zahlungsziele, aber auch Projektfinanzierungen sind möglich. Für unsere Abteilung Creditcontolling sind schnelle und unbürokratische Kreditentscheidungen eine Selbstverständlichkeit.
heise resale: Welche Services bieten sie dem Handel an?
Speier: Der Ausbau der Kundenservices ist eines unserer wichtigsten Ziele für 2010. Die Umstrukturierung der Konzern-IT versetzt uns zukünftig wieder in die Lage, Leistungen wie zum Beispiel die Online-RMA-Abwicklung und den Versand im Namen Dritter anzubieten. Gleichzeitig schafft diese Maßnahme Raum für weitere Innovationen. Aktuell ist unser "Creative Order Service" besonders hervorzuheben. Wir bieten ihn für Kunden jeder Größenordnung über das gesamte Marketingspektrum hinweg – und er wird sehr gut angenommen. Lieferschnelligkeit ist ebenfalls ein wichtiges Thema, das wir durch unsere Zusammenarbeit mit der First Flash GmbH auf hohem Niveau anbieten, (Anm. d. Red.: Die Braunschweiger Firma deckt im BOD-Konzern Logistik und Warenabwicklung ab.) bestellt bis 18:30 Uhr, Anlieferung am Folgetag bis 12:00 Uhr.
heise resale: Mit welchen Umsatzzielen wollen sie das Geschäftsjahr beenden und wann soll der Turnaround erreicht sein? Konzernchef Axel Grotjahn hatte ja bereits 100 bis 120 Millionen Euro in Aussicht gestellt.
Speier: Unsere Ziele sind sportlich, aber erreichbar. Das hat das hochmotivierte COS-Team in den ersten beiden Monaten bereits unter Beweis gestellt. Für März liegt die aktuelle Umsatzhochrechnung sogar über der Zielerwartung. 2010 ist für uns eine harte, spannende Herausforderung, die wir angenommen haben. (map)