EclipseCon 2010
Schwerpunkte der diesjährigen EclipseCon in Santa Clara waren Runtime-Techniken und die nächste Generation der IDE, e4.
- Jochen Hiller
- Bernd Kolb
Die in diesem Jahr von mehr zahlenden Teilnehmern besuchte EclipseCon war vom Convention Center in das angrenzende Hotel umgezogen. Dass dort etwas weniger Platz zur Verfügung stand, führte zu kürzeren Wegen und intensiverer Kommunikation außerhalb der Sessions. Eine weitere Folge waren neue Sessionformate; so dauerten die Standardvorträge nur noch 25 Minuten und die Tutorials zwei bis drei Stunden; jeweils immer 7 Veranstaltungen liefen parallel. Die meisten Teilnehmern begrüßten das neue Format. Allerdings sahen viele die 12-minütigen Lightning Talks kritisch.
Ein wichtiger Teil der Konferenz waren die an mehreren Tagen stattfindenden Tutorials. Die kürzeren Vorträge sorgten auch dafür, dass man einen etwas tieferen Einblick in mehrere unterschiedliche Themengebiete bekommen konnte. Qualität und Themenspektrum der Talks lagen gefühlt um Einiges höher als in den vergangenen Jahren.
Der diesjährige Schwerpunkt der Konferenz lag auf Runtime-Technologien sowie auf der nächsten Eclipse-Generation e4. OSGi als Grundlage der Runtime-Technologe war folglich stark im Programm vertreten. Die Vortragenden versuchten dieses Mal die Brücke zwischen den Java-Enterprise-Programmiermodellen und OSGi im Unternehmenseinsatz zu schlagen.
Dazu passend erschienen während der Konferenz die OSGi-Enterprise-Spezifikationen als Teil der derzeitigen Version 4.2. Die Projekte Apache Aries, Eclipse Gemini und das neue Eclipse Virgo (der Spring DM Server von SpringSource) stellten ihren derzeitigen Entwicklungsstand dar. Weitere Projekte beschäftigten sich mit der Anbindung von JavaEE an OSGi. So zeigten Entwickler beispielsweise, wie man OSGi-Komponenten direkt in Glassfish verwendet. Am letzten Konferenztag fand ein Workshop zum Thema "Cloud Computing und OSGi" statt, bei dem Experten aus beiden Domänen sich austauschten. Die Ergebnisse dieser Arbeitsgruppe sollen im Verlauf der nächsten Monate als Whitepaper bei der OSGi Alliance bereitstehen.
Noch keine Klarheit bei Build und Provisioning
Das Thema "Build und Provisioning" wurde dieses Jahr in mehreren Vorträgen heiß diskutiert. Dabei stehen den Nutzern verschiedene Möglichkeiten (B3/Buckminster, Maven mit und ohne das Tycho-Plug-in, Athena und der klassische PDE-Build) zur Verfügung. Ein klarer Favorit zeichnet sich aus unserer Sicht jedoch bisher nicht ab. Auch das seit Kurzem bei Eclipse zur Verfügung stehende Versionskontrollsystem git war Thema einiger Sessions und Tutorials. Es soll in den nächsten Jahren das alt gewordene CVS und Subversion ablösen. Bereits heute gibt es Zugriff auf den Eclipse-Sourcecode via git. Die Entwickler von JGit und EGit baten die Community um ständiges Feedback, damit sie die Benutzerfreundlichkeit verbessern können.
(Bild:Â Anne Jacko/eclipse.org)
In der Keynote mit dem Titel "Rocket Science and the Republic" erläuterte Jeff Norris vom NASA Jet Propulsion Laboratory, wie seine Organisation Eclipse einsetzt. Dieser extrem gut vorbereitete und noch besser vorgetragene Vortrag spannte einen Bogen vom alten Griechenland bis heute. Jeff vertrat die These, dass sich heutzutage angesichts immer größerer und komplexerer Softwaresysteme auch die Entwickler spezialisieren müssen. Nur die Gemeinschaft der verschiedenen Spezialisten könne schlussendlich ein Projekt zum Erfolg bringen. Als Beispiel dafür führte er an, dass bis zu 400 000 Menschen am damaligen Programm zur Mondlandung beteiligt waren. Jeff führte aus dass er Eclipse als wichtige Technologie sieht und sich die Entwicklergemeinde als Teil der derzeitigen NASA-Missionen sehen kann, da sie das Framework für verschiedenste Arten von Applikationen bereitstellt. Bei dieser Gelegenheit zeigte er einige der von der NASA entwickelte Anwendungen. Sie reichten von der Einsatzplanung für die ISS über das Interface zur Steuerung der Fahrzeuge für die nächste bemannte Mondmission bis hin zur Steuerung des Roboters auf dem Mars. Per Videokonferenz steuerte Jeff einen in Los Angeles befindlichen Roboter von Santa Clara aus. Zum Ende seiner Keynote ließ Jeff erneut Sokrates in Form einer Lego-Mindstorm-Figur sprechen die er mit Hilfe eines Datenhandschuhs steuerte. Diese Keynote war eine der gelungensten, die wir in unserer bisherigen Konferenz-Karriere gesehen haben. Sie dürfte nur schwer zu toppen sein. Auch die anderen Konferenzteilnehmer schienen das so gesehen zu haben und belohnten Jeff am Ende mit Standing Ovations.
Robotersteuerung mit e4
Das Engagement der NASA bei der diesjährigen Konferenz zeigte sich nicht nur bei dieser Keynote, sondern auch in der "e4-Rover Mars Challenge". Jeder Konferenzteilnehmer konnte an diesem Wettbewerb um die beste e4-Anwendung zur Steuerung eines mit Lego-Mindstorms gebauten "Mars-Roboters" teilnehmen oder sich an der Jagd nach dem Highscore für die beste "Mission" beteiligen. Die NASA-Angestellten versuchten den Teilnehmern dabei zu helfen, indem sie ständig (teilweise sogar bis in die frühen Morgenstunden) die Einsatzbereitschaft der Roboter sicherstellten. Am Ende der Konferenz waren mehrere Clients entstanden, die sehr schön das Potenzial der e4-Plattform zeigten. Einige Teilnehmer gingen sogar soweit, Gamepads beziehungsweise Joysticks zur Steuerung des Roboters zu verwenden, versuchten den Roboter vollautomatisch zu bedienen und betteten dabei die Darstellung der Entscheidungsfindung des Roboters mit in die Applikation ein. Ein Team erstellte eine iPhone-Applikation zur Steuerung mit den Bewegungssensoren. Der Highscore übertraf alle Erwartungen des e4-Rover-Teams. Während der fast ein halbes Jahr dauernden Entwicklung des Wettbewerbs konnte das e4-/NASA-Team nicht mehr als 1500 Punkte erreichen – der Gewinner schaffte über 5000.
Nächste Eclipse-Generation im Sommer
Ein weiterer Schwerpunkt, den auch dieser Wettkampf markierte, war e4. Sein Entwicklungsteam, das die nächste Generation der Eclipse-Plattform im Sommer dieses Jahres veröffentlichen möchte, war zahlreich vertreten. Auch die jeweiligen Sessions waren gut besucht und zeigten die neuen Möglichkeiten. Die abgedeckten Themen umfassten vom Styling der Plattform mit CSS über das Programmiermodell bis hin zur Migration vorhandener Anwendungen viele verschiedene Aspekte. Das e4-Team gewann den Preis für das offenste Projekt im Eclipse-Ökosystem. Denn es ist im Unterschied zu vielen anderen nicht von einer Firma dominiert; hier entscheiden die Community und die Committer.
Auch das Thema Modellierung war stark vertreten. Viele der Besucher und der Sprecher dazu kamen aus Europa, insbesondere aus Deutschland und Frankreich. Jedoch scheint das Thema mittlerweile auch in Nordamerika an Bedeutung zu gewinnen. Das Eclipse Modeling Projekt ist mit seinen 60 Unterprojekten eines der Projekte mit der größten Vielfalt. Dass dieses Thema mittlerweile im Mainstream ankommt, zeigt die Verwendung von EMF in e4 sowie die Tatsache, dass mit "Xtext" ein Werkzeug zur Erstellung textueller, domänenspezifischer Sprachen den diesjährigen Preis für das innovativste Projekt gewonnen hat.
(Bild:Â Anne Jacko/eclipse.org)
Auf der ersten Keynote der Konferenz mit dem Titel "Community and Adoption" erläuterten Steve Harris und Jeet Kaul von Oracle die Bedeutung der Community für Java. Sie betonten, dass Java heute die am häufigsten verwendete Sprache ist und in ganz verschiedenen Umgebungen eingesetzt wird. Neben einer erneuten Vorstellung der bekannten neuen Features in Java 7 gaben sie eine kurze Demo der Möglichkeiten von JavaFX und demonstrierten das zugehörige Tooling. Die gut vorgetragene Keynote bot jedoch inhaltlich nichts Neues. So enttäuschte sie auch die Hoffnungen auf eine Aussage zur Zukunft von Java. Auch das anschließende Panel mit Oracle-Managern ergab dazu keine neuen Erkenntnisse.
In der abschließende Keynote (Software Professionalism and the Art of Saying "No" ) legte Robert "Uncle Bob" Martin den Besuchern nahe, auf Qualität und realistische Zeitschätzungen zu achten. Es liege in der Verantwortung der Entwickler, durch ausreichende Tests die Möglichkeit zur Änderung der Software zu gewährleisten. Er wies darauf hin, dass sich diese Qualität auf lange Sicht auszahlt und es sich nicht lohnt dort Kompromisse einzugehen – nicht einmal unter Zeitdruck. Auch diese Keynote wurde gut vorgetragen, enthielt jedoch im Wesentlichen Altbekanntes enthielt. Wie die erste Keynote fiel sie gegen die überaus gelungene NASA-Ansprache ab.
Fazit
Mit dem alljährlichen Panel der Leiter der Top-Level-Projekte ging auch diese EclipseCon am späten Donnerstagnachmittag zu Ende. Noch mehr als in den vergangenen Jahren war sie den Besuch im sonnigen und frühlingshaften Kalifornien wert, womit wir uns auch gleichzeitig bei Oisin Hurley bedanken möchten, der das diesjährige Programmkomitee anführte. Das nächste Treffen der Eclipse Community wird wie üblich im Herbst (2.-4. November) in Ludwigsburg stattfinden, die nächste EclipseCon Ende März 2011 in Santa Clara.
Jochen Hiller
arbeitet als Developer Evangelist bei der Deutschen Telekom AG. Er arbeitet seit 1989 mit objektorientierten Technologien wie Smalltalk, C++ und Java. Jochen spricht regelmäßig auf Konferenzen zu komponentenbasierten Architekturen auf Basis von Java und server-side OSGi. Zusätzlich setzt er Java in embedded und hochskalierbaren Umgebungen ein. Jochen kann unter jo [punkt] hiller [at] googlemail [punkt] de erreicht werden.
Bernd Kolb
arbeitet als Softwarearchitekt bei SAP in Walldorf. Er beschäftigt sich im Wesentlichen mit Eclipse, OSGi und Modellierungstechnologien. Zuvor war Bernd unabhängiger Berater und Architekt. Dabei arbeitete er in verschieden Domänen von Embedded Software bis hin zu Java-Unternehmensanwendungen. Bernd ist regelmäßiger Sprecher auf verschiedenen Konferenzen, Autor verschiedener Artikel sowie Mit-Autor der Buches "Die OSGi Service Platform". Per E-Mail ist Bernd via b [punkt] kolb [at] kolbware [punkt] de zu erreichen