Elektronischer Blindenhund

Seit über zehn Jahren wird an Navigationssystemen für Blinde geforscht. Nun steht ein System kurz vor der Serienreife.

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Von
  • Holger Bruns

Seit über zehn Jahren wird an Navigationssystemen für Blinde geforscht. Nun steht mit dem Trekker des Schwerter Reha-Herstellers Papenmeier ein System kurz vor der Serienreife. Der Trekker besteht aus handelsüblicher Hardware, die sich der Blinde einfach um den Hals hängt. Im Nacken befindet sich eine Antenne für das satellitengestützte GPS-Navigationssystem. Ein PDA gleicht die GPS-Daten mit einem elektronischen Stadtplan ab. Dessen Stromversorgung übernimmt ein externer Akkusatz. Ein Mikrofon mit Lautsprecher ermöglicht ein Sprachinterface.

Die Genauigkeit des Trekkers hängt von der Anzahl der momentanen GPS-Verbindungen ab und liegt zwischen drei bis fünf Metern. Innerhalb geschlossener Gebäude funktioniert der Trekker allerdings nicht, weil dort alle GPS-Satelliten abgeschattet sind. Außerhalb geschlossener Gebäude lässt sich jedoch jederzeit die Position abfragen.

"Sie befinden sich in der näheren Umgebung von sechs Leopold-Ahrends-Straße," schnarrt das dünne Stimmchen einer synthetischen Sprachausgabe etwa, wenn der Blinde am PDA den passenden Knopf drückt. "Es wurde kein markanter Punkt erkannt." Markante Punkte sind Orte auf dem Stadtplan, die der Blinde für sich festlegen kann -- es könnte sich hier etwa um ein Eiscafé handeln, oder um die Lieblingspizzeria.

Das technische Vorbild waren die GPS-gestützten Fahrzeugnavigationssysteme, die einem Autofahrer seine momentane Position auf einer Landkarte anzeigen. Für Blinde sind solche Systeme aber viel zu ungenau und waren auch lange Zeit zu schwer. Als das EU-geförderte Projekt MoBIC (Mobility of Blind and Elderly People Interacting with Computers) die ersten Prototypen seines damaligen Wegbegleitungssystems vorstellte, mangelte es vor allem an exakten Karten. Die zehn gebauten Prototypen hatten ein Gewicht von fünf Kilogramm. Die Akkus, Rechner und GPS-Empfänger befanden sich in einem Rucksack, wobei die Akku-Standzeit nur zwei anstelle von fünf Stunden betrug. Die Bedienung erfolgte über eine am Arm befestigte Tastatur.

Zwar wurden im Laufe weiterer Entwicklungen die Geräte kleiner und leichter, aber erst als das aus politischen Gründen ungenau gemachte GPS vor vier Jahren nicht weiter künstlich verschlechtert wurde, kam der technische Durchbruch. Zur Zeit arbeiten die Entwickler des Trekkers an einem Planungssystem für Routen, das den blinden Benutzer sicher zum Beispiel vom Bahnhof in die Fußgängerzone geleiten soll. (Holger Bruns) / (wst)