"They know where you are": Abonnenten im Fadenkreuz
Das US-Magazin Reason will mit seiner Juni-Ausgabe die Macht der Datenbanken demonstrieren -- und wie ihre Verknüpfung den Datenschutz bedrohen kann.
Die Juni-Ausgabe des amerikanischen Magazins Reason könnte der Postbote den 40.000 Abonnenten auch anhand des Titelbildes zustellen. Darauf wird nach einem Bericht der New York Times nicht nur der jeweilige Name des Empfängers, sondern auch ein Satellitenbild von seiner Wohngegend abgedruckt sein -- mit eingezeichnetem Kreis um sein Haus und dem Hinweis "They know where you are!" Außerdem sollen mehrere Anzeigen auf den jeweiligen Leser abgestimmt sein.
Mit dem Gag möchte das Magazin nach Angabe von Chefredakteur Nick Gillespie den Schwerpunktartikel der Ausgabe über die Macht und die Bedeutung von Datenbanken illustrieren. Rodger Cosgrove, Mitglied im Vorstand der Zeitschrift und Präsident einer Direktmarketingagentur, war mit der Erstellung der Software zum Abgleich der Abonnentenliste mit Satellitenfotos befasst. Nach seinen Worten sollte die Möglichkeiten gezeigt werden, mit Hilfe von Datenbanken Informationen zu personalisieren. Nach Einschätzung von Gillespie könnte die Aktion mit den wachsenden Möglichkeiten von Datenbanken und Drucktechnik neue Wege aufzeigen. Er glaubt, dass jeder gerne eine Zeitschrift lesen wolle, die nur Artikel und Anzeigen von Interesse für den jeweiligen Leser enthält.
Dass Datenbanken das moderne Leben sehr erleichtern, ist nach Aussage von Marc Rotenberg, Präsident des Electronic Privacy Information Center, offensichtlich. Das bedeute aber nicht, dass über Datenbanken der Regierung nicht noch ernsthafte Diskussionen geführt werden müssten. Dabei verweist er insbesondere auf die Überwachung der US-Öffentlichkeit in Folge der Anti-Terror-Pakete sowie die Passagierdatenerfassung. (Eva Schedel) / (jk)