Ministerium will Warnbrief zu Chipfabrik ernst genommen haben
Der Brief des ehemaligen Vorstandschefs Klaus Wiemer zur Chipfabrik verändert nicht Sachlage, meint das Brandenburger Wirtschaftsministerium.
Frühe Warnungen vor einem Scheitern der Chipfabrik in Frankfurt (Oder) hat das brandenburgische Wirtschaftsministerium nach eigener Darstellung durchaus ernst genommen. Ein vom ehemaligen Vorstandschef der Chipfabrik- Betreiberfirma Communicant, Klaus Wiemer, Ende 2002 geschriebener Brief habe aber nichts substanziell Neues enthalten, was die Sachlage veränderte, sagte Ministeriumssprecher Steffen Kammradt am Donnerstag. "Gleichwohl haben wir ihn nicht ignoriert."
In seinem Brief will Wiemer empfohlen haben, ein unabhängiges Technologie-Gutachten in Auftrag zu geben. Er schickte ihn an Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) kurz nach dessen Amtsantritt im November 2002. Zuvor habe er ein längeres Gespräch mit Junghanns' Amtsvorgänger Wolfgang Fürniß (CDU) geführt, gab Wiemer am Mittwoch vor dem Untersuchungsausschuss des Landtages zur Chipfabrik an. Darauf sei jedoch weder eine Reaktion noch ein Umsteuern bei dem Projekt erfolgt.
Wiemer hatte von Januar 2001 bis Mai 2002 den Vorstandsposten bei Communicant inne. Zum Zeitpunkt seines Rücktritts war er nach eigenem Bekunden bereits vom Scheitern des Milliardenprojekts überzeugt. Bei dessen Start sei die Technologie zur Chipherstellung noch einmalig gewesen. Nur ein Jahr später habe es aber schon sechs internationale Konkurrenten gegeben.
Wiemers Brief müsse aus dem Blickwinkel der damaligen Zeit bewertet werden, sagte Ministeriumssprecher Kammradt. Und da habe es bei dem Vorhaben kontinuierlich Fortschritte gegeben. Was der Brief enthielt, sei ohnehin "Teil der laufenden Arbeit" gewesen. Im Nachhinein sähen natürlich einige Dinge anders aus. Ende vergangenen Jahres war der Bau der Chipfabrik endgültig an der fehlenden Finanzierung gescheitert. (dpa)/ (tol)