Spyware-Hersteller will an die Börse
Claria, the Company formerly known as Gator und unter Internet-Nutzern als Spyware-Hersteller bekannt, hält das eigene Geschäftsmodell für so erfolgreich, dass man nun einen Börsengang wagen möchte.
Claria, the Company formerly known as Gator und unter Internet-Nutzern als Spyware-Hersteller bekannt, hält das eigene Geschäftsmodell für so erfolgreich, dass man nun einen Börsengang wagen möchte. Die Firma, die sich selbst als "Marktführer des behavioral Marketing" bezeichnet, vertreibt Software, die zusammen mit gefragten, aus dem Netz zu beziehenden Softwarepaketen wie etwa Kazaa oder DivX die heimischen PCs erreicht. Dort richtet sie einen Reklametrojaner ein, der nebenbei den Softwarebestand und die Surfgewohnheiten des PC-Benutzers ausspioniert. Da der Markenname Gator für diese Software bei den Internet-Nutzern allerdings offensichtlich zu berüchtigt für gute Geschäfte mit Werbekunden war, benannte sich das Unternehmen im Herbst 2003 in Claria um. Trotz des neuen Namens und Drohungen der Firmenanwälte gegen US-Websites sieht sich Claria allerdings immer wieder mit Warnungen von Verbraucher- und Datenschützern vor der Reklametrojaner-Software konfrontiert.
Trotz allen öffentlichen Auseinandersetzungen um die hauseigene Software aber erwartet Claria offensichtlich, dass die Geschäfte weiterhin gut laufen werden. In einem Filing bei der US-Handels- und Börsenaufsicht SEC kündigt Claria daher nun den Börsengang an. Die Summe, die man durch den Börsengang an Kapital hereinbringen will, spezifizierte die Firma nicht weiter; auch genaue Termine wurden noch nicht benannt. Die betreuenden Banken sind Deutsche Bank Securities, Piper Jaffray und Thomas Weisel Partners.
Claria gab in dem SEC-Filing bekannt, man habe im Jahr 2003 bei einem Umsatz von 90 Millionen US-Dollar einen Nettogewinn von rund 35 Millionen US-Dollar erzielt. Man hoffe, dass man auch in Zukunft von den wieder wachsenden Umsätzen mit Online-Werbung profitieren werde -- der Internetportal-Betreiber Yahoo hatte mit ausnehmend guten Geschäftszahlen diese Hoffnungen der Branche auch gerade wieder bestärkt. Allerdings geht Claria auch auf die Risiken ein, die den Geschäften drohen: "Unser Geschäftsmodell ist noch unerprobt", meint Claria lapidar, deshalb sei es schwierig, das gegenwärtige Geschäft einzuordnen und die Zukunftsaussichten abzuschätzen. Jedenfalls bestünden Risiken unter anderem in den Gerichtsverfahren gegen Clarias Werbemethoden und in möglichen neuen Gesetzen beispielsweise gegen Popup-Werbung. So erreichte die deutsche Niederlassung von Hertz beispielsweise eine Verfügung gegen Claria, nach der die ungenehmigte Platzierung von Popup-Werbebannern über der Hertz-Website untersagt ist.
Immerhin aber habe man bereits eine Basis von 43 Millionen Usern, die über das Anzeigen-Netzwerk (Gator Advertising Information Network GAIN) erreicht würden, erklärte Claria. Der weitere Erfolg des Geschäfts hänge neben der erfolgreichen Überwindung juristischer und legislativer Hürden davon ab, ob man diese User-Basis halten und ausbauen sowie neue Kooperationspartner für das Anzeigen-Netzwerk finden könne. (jk)