Grabenkämpfe

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Grabenkämpfe

Deutschland fällt bei der Breitbandversorgung im internationalen Vergleich immer weiter zurück. Das liegt nicht zuletzt an der jahrelangen DSL-Monokultur und Quasi-Monopolstellung des Ex-Monopolisten. Wo der Wettbewerb zwischen den Zugangstechniken den Markt befeuert hat, ist man inzwischen deutlich weiter. Zwar gibt es hierzulande Anschlüsse zu Preisen, um die uns unsere europäischen Nachbarn beneiden, aber die gibt es eben längst nicht überall.

Inzwischen setzt sich allmählich die Erkenntnis durch, dass langfristig kein Weg am flächendeckenden Glasfaserausbau vorbeiführt. In den Städten gibt es erste Inseln der Glückseligen mit Glasfaseranschluss im Haus, vielerorts balgen sich DSL- und TV-Kabel-Anbieter mit einem erweiterten Glasfaserausbau und 32 bis 100 MBit/s um die Kunden. Vor den Toren der Stadt und mit zunehmender Entfernung zur Glasfasererschließung lässt das Tempo aber rapide nach. Und immer noch gibt es Millionen Haushalte weitab vom Schuss und ganz ohne Breitbandanschluss.

Ein Grund für den schleppenden Ausbau ist der Informationsfluss. Noch immer gibt es viel zu viele Baustellen, in denen Straßen längs aufgebuddelt werden. Und niemand fühlt sich dafür zuständig, ein Leerrohr einzuziehen, in das man später ohne große Probleme Glasfaser legen könnte. Das Aufgraben kostet 50 bis 100 Euro pro Meter, das Leerrohr gerade einmal ein Zehntel davon. Aber wer denkt schon an Glasfaser, wenn man Abwasserleitungen, Gasrohre, Fernwärmeleitungen oder Stromanschlüsse saniert?

Allerorten werden fleißig Daten gesammelt. Wie wäre es mit einer weiteren Datensammlung, ausnahmsweise einmal ohne persönliche Daten, dafür aber mit echtem Nutzwert? Etwa ein Kataster, wo schon überall Glasfaser liegt. Eine Datenbank, welche Baumaßnahmen geplant sind, damit die TK-Unternehmen Leerrohre einziehen können. Oder eine Datensammlung, welche Unternehmen Ortschaften oder Gewerbegebiete ans Breitbandinternet anschließen können und wollen. All das müssen Gemeindevertreter bislang meist mühsam auf eigene Faust recherchieren.

Und es sind neue Ideen gefragt. Glasfaserkabel muss man nicht im Erdboden verstecken, die lassen sich auch oberirdisch verlegen. Beispielsweise auf Hochspannungsleitungen, denn sie bestehen ja aus elektrisch isolierendem Material. Oder unter der Erde in bestehenden Abwasserrohren. Mit Quick-and-Dirty-Lösungen ohne Kabelgräben sind Japan, Hongkong und Südkorea an die Breitbandspitze marschiert. Die Hausverkabelung dort sieht mitunter katastrophal aus, aber die Anschlüsse sind rasant schnell. Verbuddeln kann man die Leitungen später ja immer noch.

Wenn die Bundesregierung nicht aktiv wird und in einer konzertierten Aktion mit den Ländern endlich praxisgerechte Rahmenbedingungen für einen schnellen und flächendeckenden Glasfaserausbau schafft, wird Deutschland noch mehr in Rückstand geraten. Geld allein wird da nicht helfen. Ideologiefreie Debatten, neue Ideen und unorthodoxe Lösungen sind nun gefragt.

(uma)