Zuwachs für die größte Satelliten-Flotte
Der Satellitenbetreiber SES Global hat bereits Verträge für mindestens acht weitere Starts abgeschlossen. Internetanbindungen und HDTV (hochauflösendes Fernsehen) erfordern zusätzliche Bandbreiten.
Die größte zivile Satelliten-Flotte wächst weiter. Die in Luxemburg ansässige SES Global hat erst im Februar einen Satelliten (AMC-10) in den Orbit hieven lassen und bereits Verträge für mindestens acht weitere Starts abgeschlossen. Internetanbindungen und HDTV (hochauflösendes Fernsehen) erfordern zusätzliche Bandbreiten, außerdem wird einigen älteren Satelliten bald der Treibstoff ausgehen. Unter dem Dach von SES Global vereinen sich untern anderem SES Astra, SES Americom und Worldsat, Beteiligungen in unterschiedlicher Höhe bestehen an AsiaSat, Nahuelsat, Sirius und Star One. Am heutigen Freitag verkaufen einige Teilhaber bis zu 72 Millionen SES-Global-Anteile oder rund zehn Prozent für eine geschätzte halbe Milliarde Euro.
Nach dem fehlgeschlagenen Start von Astra 1K mit einer russischen Proton-Rakete vom kasachischen Kosmodrom Baikonur war im Herbst 2002 die Stimmung bei SES ziemlich gedrückt, hatten doch schon konkrete Pläne und Verträge für die Nutzung der neuen Kapazitäten bestanden. In Wien hatte SES-Partner UPC bereits mit dem Bau einer zusätzlichen Uplink-Station begonnen, das fertige Fundament wird wohl noch länger technischer Bestückung harren.
Inzwischen hat der Satellitenkonzern neue Pläne erarbeitet und arbeitet frohen Mutes am Ausbau der beachtlichen Flotte. Trotz eines um 10,5 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro gesunkenen Umsatzes (Wechselkursbereinigt minus 3,0 Prozent) konnte 2003 der konsolidierte freie Cash Flow von 306 auf 940 Millionen Euro mehr als verdreifacht werden. Die gute Stimmung nutzen heute verschiedene Investoren (darunter die Deutsche Telekom, die Deutsche Bank, die Dresdner Bank und ABM Generali) um sich von insgesamt rund neun Prozent der Anteile von SES Global zu trennen. Sie bieten institutionellen Investoren je nach Preisentwicklung bis zu 67 Millionen FDR (Fiduciary Depository Receipts, können jederzeit in Aktien eingetauscht werden und verbriefen volle Stimm- und Dividendenberechtigung) an; bei entsprechend hoher Nachfrage ist ein Greenshoe (Nachschub) von weiteren fünf Millionen FDR vorgesehen.
Eine Quelle aus dem Umfeld des Verkaufes sagte gegenüber heise online, dass sich die Anbieter einen Erlös von rund 500 Millionen Euro erwarten. Außerdem hoffen sie auf eine deutlich höhere Liquidität im bislang nur in Luxemburg und Frankfurt gelisteten Papier. Zu diesem Behufe wird SES Global ab Montag auch an der Euronext in Paris gehandelt werden, mittelfristig könnte das Listing in Frankfurt eingestellt werden. Die erhöhte Liquidität würde ein Public Offering neuer Aktien zwar begünstigen, diesbezügliche Pläne sollen zur Zeit aber nicht bestehen. Die Ausbaupläne seien zwar nicht billig, dennoch brauche SES Global kein frisches Geld aus Aktienverkäufen, hieß es aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen.
Im Mai soll AMC-11 an Bord einer Atlas-IIAS-Rakete von Cape Canaveral aus die Erde verlassen, um die auf Nord- und Mittelamerika ausgerichtete Flotte von SES Americom zu vergrößern. Gegen Ende des zweiten Quartals ist in Baikonur der Launch des ursprünglich AMC-12 genannten Worlsdat-2 durch eine Proton/Breeze-M geplant. Die 2003 gegründete SES-Tochter Worldsat hat im Januar ein langfristiges Übereinkommen mit der Boeing-Tochter Connexion abgeschlossen und wird so Flugzeuge und Schiffe ans Internet anschließen. Auf der Startliste stehen zumindest sechs weitere Satelliten: AMC-15 (zweites Halbjahr 2004, Baikonur), AMC-16 (erstes Quartal 2005, Baikonur), Astra 1KR, ("Astra 1K Replacement", zweites Quartal 2005 durch Arianespace von Kouru), Worldsat-3 (vormals AMC-13, Ende 2005, Baikonur), AMC-14 (erstes Quartal 2006, Atlas-5, Cape Canaveral) sowie der mit dem 1KR baugleiche Astra 1L (viertes Quartal 2006, wiederum Baikonur). Mit Ausnahme des Astra 1KR werden alle Starts von ILS abgewickelt. (Daniel AJ Sokolov) / (jk)