Grafikkarten treiben das Netzteilgeschäft – unbeeindruckt vom Trend zu Green-IT
Das Gros der verkauften PC-Netzteile arbeitet mit bis zu 500 Watt. Im Trend liegen Produkte mit hoher Energieeffizienz. Nachdem sich die neue Grafikkarten-Generation aber über alle Green-IT-Ansätze hinweg setzt, benötigen leistungsstarke Highend-Rechner deutlich stärkere Stromversorgungen – mit genügend Luft nach oben.
Netzteile mit 80-Plus-Gold-Zertifikat erreichen je nach Auslastung einen Wirkungsgrad von bis zu 90 Prozent.
(Bild: OCZ Technology)
Seit rund vier Jahren propagieren die Hersteller von PC-Netzteilen Produkte mit 1000 Watt und mehr. Vor allem Mehrkern-Prozessoren und moderne Grafikkarten fordern der Stromversorgung im Rechner immer höhere Leistung ab. Zwar gelten Netzteile jenseits von 750 Watt als feste Größe im Markt, das Mainstream-Geschäft bewegt sich aber in ganz anderen Regionen. "Am meisten verkaufen sich weiterhin 450- bis 500-Watt-Netzteile", erklärt Marc-Florian Gerken, Senior Manager Components bei Ingram Micro Distribution. "Viele Assemblierer, Nachrüster, besonders Gamer und Enthusiasten erkennen aber die Verbesserungspotenziale, die hochwertige Netzteile mit sich bringen und integrieren diese vermehrt. Wir verzeichnen ein deutliches Wachstum in diesem Segment."
Dies belegt auch das heise resale Preisradar. Das meistgesuchte Produkt in der Kategorie Netzteile ist das Cooler Master Silent Pro M500 mit 500 Watt. Es folgen Be Quiet Pure Power 530W und Enermax MODU87+ mit 530 beziehungsweise 500 Watt. Der durchschnittliche Endverbraucherkaufpreis im Onlinehandel liegt in der KW 15 bei rund 63 Euro.
Fachhändler sollten beim Netzteilkauf vor allem auf Qualität setzen. "Wir empfehlen leise Netzteile (< 20 dB(A)) mit einem geringen Stromverbrauch", erläutert Ingram-Manager Gerken, die Kriterien. "Im höheren Preissegment sollten die Produkte über ein Kabelmanagement verfügen." Stark verbessert hat sich in den letzten Jahren auch der Effizienzwert. Waren vor knapp fünf Jahren 60 bis 70 Prozent die Regel, visiert die Branche heute Effizienzwerte von bis zu 90 Prozent an. Seit der Einführung der 80-Plus-Zertifikate ist es für Händler wie Anwender übersichtlicher geworden. Für PCs ordnen die Siegel 80 Plus, Bronze, Silber und Gold die Netzteile in Güteklassen ein. 80 Plus Platinum ist Servern vorbehalten.
| Top-10-Hersteller Netzteile (laut heise resale Preisradar) | |
| Rang | Hersteller |
| 1 | Enermax |
| 2 | be quiet |
| 3 | Seasonic |
| 4 | Corsair |
| 5 | Cougar |
| 6 | Cooler Master |
| 7 | OCZ |
| 8 | Sharkoon |
| 9 | Arctic |
| 10 | FSP |
| Rangfolge nach Indexpunkten in KW15-10 | |
In wieweit sich die Entwicklung noch voran treiben lässt, muss sich zeigen. Während die einen von einer 100-Prozent-Effizienz träumen, halten andere Hersteller derzeit maximal 92 Prozent für möglich. Zwar rechnet die Branche damit, dass sich die 80-Plus-Gold-Vorgaben noch übertreffen lassen, allerdings ist auch unklar, ob sich der Aufwand für den Anwender tatsächlich rechnet. Daher darf der Handel eher davon ausgehen, dass auch die Einstiegsklassen eine Steigerung der Effizienz erfahren werden. Gleichzeitig soll sich der Standby-Verbrauch auf maximal ein Watt reduzieren – um letztlich die zum Jahresauftakt in Kraft getretene Stromspar-Verordnung der EU einhalten zu können, die auch PCs einschließt.
Neue Grafikkarten – von Green-IT keine Spur
Nvidia hebt mit der neuen Grafikkarten-Generation die Anforderungen drastisch nach oben. Die c't-Redaktion misst bei der Geforce GTX 480 Spitzen von über 300 Watt. Die Nvidia-Spezifikation spricht hingegen von 250 Watt – empfiehlt aber 600-Watt-Netzteile. Für die GTX-470-Grafikkarten sollten es 550-Watt-Exemplare sein. Overclocker, die mehrere Karten im SLI-Betrieb einsetzen, benötigen noch deutlich mehr Power. Daher darf der Handel spezielle aus der Klientel der Power-Gamer mit einem steigenden Bedarf an leistungsstarken Netzteilen rechnen.
Künftig soll auch die Einsteigerklasse eine bessere Energieeffizienz bieten.
(Bild: Enermax)
Lang anhalten dürfte dieser Trend jedoch nicht. Stromsparen sowie "grüne" – und damit vor allem energiesparende – Computer und Rechenzentren sind seit etwas mehr als zwei Jahren eines der zentralen Themen der IT. Auf ewig können sich Grafikkarten diesen Anforderungen nicht widersetzen. Auch wenn es Nvidia nicht zugibt, aber schmecken dürften dem Hersteller die negativen Schlagzeilen zum massiv hohen Energieverbrauch der GTX 480 und GTX 470 nicht. Insider gehen daher davon aus, dass das Unternehmen auf absehbare Zeit nachbessert und sich die kommenden Generationen deutlich sparsamer präsentieren.
Wie man es richtig macht, demonstriert Intel. Obwohl moderne Prozessoren heute mit vier CPU-Kernen arbeiten, verbrauchen sie nicht recht viel mehr als Single-Core-Modelle. Zum Vergleich: Bei Grafikkarten hat sich in den letzten knapp fünf Jahren die Leistungsaufnahme mehr als verdreifacht. Die Folge sind Grafikkarten mit überproportional großen Lüftern und Kühlkonstruktionen. Dies wirkt auch dem – nicht mehr ganz neuen – Trend zu Silent-PCs entgegen. Selbst Highend-Rechner mit schneller Grafik akzeptiert der Anwender nicht zwangsläufig als permanent lärmende Geräuschkulisse. Mit dem aktuellen Leistungshunger sind passiv gekühlte Modelle kaum mehr möglich.
Für Grafik-Workstations und hochgezüchtete Spielerechner müssen Reseller ihren Kunden daher zu Netzteilen mit mehr als 1000 Watt raten. Eine überdimensionierte Stromversorgung hilft die Betriebsgeräusche zu minimieren. Denn je näher die Geräte am Limit betrieben werden, desto stärker arbeitet die Kühlung. Für ein 1200-Watt-Netzteil wie etwa das Dark Power Pro von Be Quiet müssen Wiederverkäufer rund 190 Euro investieren. Das Enermax Revolution85+ mit 1250 Watt schlägt beispielsweise bei Ingram Micro mit 261 Euro zu Buche. Etwas günstiger gestaltet sich derzeit mit knapp 155 Euro der HEK für Corsairs HX-Serie mit 1000 Watt. (map)