Teilen für mehr Privatsphäre

Die Suchmaschine Google speichert riesige Informationsmengen über ihre Nutzer - beispielsweise neun Monate lang alle Suchanfragen. Das Projekt "GoogleSharing" will diese Datensammlung erschweren.

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Die Suchmaschine Google speichert riesige Informationsmengen über ihre Nutzer – beispielsweise neun Monate lang alle Suchanfragen. Das Projekt "GoogleSharing" will diese Datensammlung erschweren.

Google ist nicht ganz ohne Grund als Datenkrake verschrien: Der Internet-Konzern sammelt beim Betrieb seiner Suchmaschine und diverser weiterer populärer Angebote genaue Informationen über das Verhalten seine Nutzer. Was wir auf Google.com oder Google.de in die Suchmaske eintippen, wird beispielsweise mindestens neun Monate lang mit voller anfragender Internet-Adresse und einem Datenkrümel (Cookie) vorgehalten, das für jeden PC einzigartig ist. Da die meisten Menschen es gewöhnt sind, ihre intimsten Wünsche in Googles Suche einzugeben, entstehen hier detaillierte, persönliche Profile.

Der Internet-Konzern betont zwar, diese Daten niemals mit realen Personen in Verbindung zu bringen – IPs und Cookies sind für Google keine personenbezogenen Daten. Trotzdem gibt es diesbezüglich natürlich Begehrlichkeiten seitens staatlicher Stellen, die gerne bei Bedarf auch die gesamte Suchhistorie von Verdächtigen in Ermittlungen einbeziehen. Wie oft das genau passiert, sagt Google nicht. (Werkzeuge wie das "Government Request Tool", von Google selbst bereitgestellt, vermitteln nur einen eingeschränkten Eindruck.)

Google hat zudem in jüngster Zeit nicht den besten Ruf, was die Einhaltung aller Datenschutzmaßnahmen anbetrifft – zuletzt wurden so beispielsweise im Rahmen des Kommunikationsdienstes "Buzz" Profildaten offenbar, die niemand wirklich freigegeben hatte. Hinzu kommen zunehmende Hackerangriffe etwa aus China: Sogar ein Eindringen in Googles zentrales Authentifizierungssystem soll bereits vorgekommen sein.

Wird es also für Menschen, denen an ihrer Privatsphäre liegt, langsam Zeit, sich ganz von Google zu verabschieden oder zumindest Maßnahmen zu ergreifen, die die Datensammlung zu erschweren? Beim Hacktivismus-Projekt GoogleSharing glaubt man an Letzteres. Bei dem Vorhaben, hinter dem unter anderem der bekannte IT-Sicherheitsforscher Moxie Marlinspike steckt, wird versucht, Google-Dienste nutzbar zu machen, ohne dass der Nutzer dafür seine (IP-)Identität preisgeben muss.

Die Grundidee ist schnell erklärt: Wenn sich Gruppen von Nutzern zusammentun, wird es möglich, deren Google-Nutzung zu verwürfeln. Dazu hat GoogleSharing ein kostenloses Zusatzprogramm für den Browser Firefox entwickelt, das jede Anfrage an Google.com umleitet. Dem Anfragenden A wird die Eingabe des Anfragenden B zugeordnet, dem Anfragenden B die von C – und so weiter. Außerdem wird dafür gesorgt, dass Google den Anfragenden nicht über ein Cookie identifizieren kann – es wird stets ein neuer Datenkrümel angefordert.

GoogleSharing gibt sich seinen Nutzern gegenüber sicherheitsbewusst – so wird jeder Suchvorgang über das Verschlüsselungsprotokoll SSL abgewickelt und keine einzelne Anfrage von dem Dienst gespeichert. "Unser Dienst dient dazu, Nutzern ein Niveau an Anonymität bei der Google-Nutzung zu garantieren, das es nicht zulässt, das ein Profil erstellt werden kann", erläutert Marlinspike. Von GoogleSharing nicht unterstützt werden alle Google-Dienste, die ein Einloggen notwendig machen – dafür ist der Service auch nicht gedacht.

Bislang wird GoogleSharing kostenlos angeboten – wer möchte, kann aber spenden. Erste Probleme hatten die Betreiber allerdings schon: Ihr Internet-Anbieter sperrte ihnen zwischenzeitlich ihr Sicherheitszertifikat, weil der Dienst angeblich den Nutzungsbedingungen widersprach. Inzwischen ist GoogleSharing aber wieder aktiv und soll rund 30.000 Nutzer haben. Mit viel weniger Nutzern funktioniert der Dienst auch nicht. (bsc)