Smartphones im Kriegseinsatz

Die US-Armee interessiert sich zunehmend für den Einsatz ganz normaler Konsumenten-Hardware. Der Grund: Sie ist kostengünstig und lässt sich trotzdem leicht auf militärischen Standard bringen.

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Die US-Armee interessiert sich zunehmend für den Einsatz ganz normaler Konsumenten-Hardware. Der Grund: Sie ist kostengünstig und lässt sich trotzdem leicht auf militärischen Standard bringen.

Wenn es einen Werbespruch gibt, der dieses mobile, vernetzte Zeitalter beschreibt, in dem wir uns gerade befinden, dann lautet er schlicht "there's an app for that" – es gibt eine Anwendung dafür. Apple benutzt den Slogan, um die Software-Vielfalt für sein iPhone zu bewerben: Unter den mittlerweile über 200.000 "Apps" existieren Programme für nahezu jeden Geschmack. Neben jeglicher Art von Spielen finden sich inzwischen ausgewachsene Büropakete, Zugangsprogramme für die Firmenlogistik, Fernsteuersoftware für die Hauselektrik und vieles, vieles mehr. Und auch Profis interessieren sich für die viel gehypte Plattform: Dank Bluetooth- und WLAN-Anbindung nutzen Ärzte sie ebenso im täglichen Einsatz wie Polizisten.

All diesen Anwendungsszenarien gemeinsam ist die Tatsache, dass kostengünstige Konsumenten-Hardware in Bereiche geholt wird, die früher von teuren Spezialgeräten beherrscht wurde. Ein besonders deutliches Beispiel ist das US-Militär, wo man ständig nach Wegen sucht, mit Elektronik den Alltag der Soldaten zu vereinfachen. Auch hier müssen die Geräte nicht immer von Rüstungskonzernen stammen. So wird etwa die ältere Version von Apples iPod im Irak und in Afghanistan als Übersetzungshilfe genutzt – mit wenigen Klicks können sich Uniformträger verständigen.

Der US-Luft- und Raumfahrtkonzern Raytheon experimentiert schon seit längerem mit dem iPhone, interessiert sich seit einigen Monaten aber auch für Googles Konkurrenzbetriebssystem Android. Entsprechende Smartphones und Tablets werden in aufgerüsteten Versionen und schlachtfeldtauglichen Gehäusen bereits getestet. Die Geräte enthalten spezielle Anwendungen und sollen bald direkten Zugriff auf das verteilte Überwachungsnetzwerk des Pentagon erhalten. Somit können Soldaten und ihre Kommandeure per Smartphone feindliche Positionen überprüfen, Videos von Drohnen begutachten und, falls nötig, sogar Luftunterstützung anfordern. Raytheon nutzt dabei alles aus, was an Technik im Gerät steckt – vom Bewegungssensor bis zur eingebauten Kamera. Die kann nötigenfalls sogar zur biometrischen Überprüfung feindlicher Kämpfer genutzt werden oder dient als Nummernschildlesegerät.

Der Preis für eines der Geräte ist für den Rüstungsbereich lächerlich gering: Knapp 300 Dollar pro Stück sind anzusetzen. Kein Wunder, dass Raytheon-Sprecher Keith Little großes Interesse an der billigen Technik sieht: "Das Militär schaut sich ganz genau an, wie so etwas eingesetzt werden könnte." Schön sei auch, dass ein Smartphone zahlreiche Anwendungen in ein einzelnes, leicht zu tragendes Gerät integriere. Die Rechenleistung, sagen Beobachter, reicht längst für militärische Anwendungen aus.

Bleibt zu hoffen, dass die Technik nicht nur gut funktioniert, sondern auch gegen feindliche Attacken gerüstet ist. Beispiele, dass das nicht der Fall sein muss, gibt es einige. So konnten die Kameras von Drohnen der US-Armee über einen längeren Zeitraum von irakischen Terroristen angezapft werden. Auch dafür bedurfte es nur ein wenig Low Tech: eine 20 Euro teure Software plus eine Satellitenschüssel reichten aus, um das unverschlüsselte Signal abzufangen. In diesen neuen Konflikten rüsten eben beide Seiten auf. Und so sind auch Berichte kaum verwunderlich, laut denen inzwischen selbst die Taliban in Pakistan ihre iPhones lieben. (bsc)