Red Hat handelt sich mit Bilanzkorrekturen Ärger ein
Die Ankündigung, man werde die Bilanzen für 2002 bis 2004 überarbeiten, führt zu Sammelklagen wegen Verletzung des Bilanzrechts durch falsche Angaben und die Verschleierung der Konkurrenz durch Novell.
Die Ankündigung, man werde die Bilanzen für 2002 bis 2004 überarbeiten, beschert dem Linux-Distributor Red Hat einigen Ärger. Nicht nur brach der Kurs der Aktie nach der Ankündigung erst einmal kräftig ein, nun stehen Red Hat auch noch Klagen wegen angeblicher Kursmanipulation ins Haus.
Als Erste von mittlerweile insgesamt 9 Kanzleien reichte die Sozietät Lerach Coughlin Stoia & Robbins eine entsprechende Klage gegen Red Hat und das Management ein. In der Klage heißt es, die Beschuldigten hätten falsche und irreführende Angaben über die finanziellen Ergebnisse von Red Hat und die Wachstumsraten gemacht. Dass Red Hat Umsätze zu einem Zeitpunkt verbucht habe, bevor die Umsätze wirklich gemacht wurden, sei eine Verletzung der Bilanzrichtlinien. Zudem habe Red Hat die Auswirkungen vor den Investoren versteckt, die die Konkurrenz durch Novell haben werde. Die NetWare-Company war durch die Übernahme von Ximian und dem deutschen Linux-Distributor Suse zu einem der wichtigen Mitspieler im Linux-Markt und ernsthaften Konkurrenten für Red Hat aufgestiegen.
Red Hat begründet die Neuberechnungen damit, dass man nach Diskussionen mit dem zuständigen Wirtschaftsprüfer bei PricewaterhouseCoopers, der turnusgemäß gewechselt habe, eine andere Bilanzierung für die Abonnements bei Red Hat Enterprise Linux gewählt habe. Diese wurden bislang auf monatlicher Basis in die Bilanzen aufgenommen, auch im ersten Monat des Vertrags -- egal, an welchem Tag des Monats der Vertrag tatsächlich begann. Nun sollen die Abonnements auf täglicher Basis über die Gesamtdauer des jeweiligen Vertrags verbucht werden. Das führe dazu, dass sich Teile der daraus resultierenden Umsätze vom Monat, in dem das Abonnement vertragsgemäß starte, in den Monat verlagerten, in denen das Abonnement ende, erklärte Red Hat.
Auf die Umsätze insgesamt hat diese Änderung der Bilanzierungsmethode zwar keine Auswirkungen, Gewinn- und Verlustrechnungen verschieben sich allerdings sehr wohl -- was natürlich Konsequenzen für den Aktienkurs in einem bestimmten Zeitrahmen haben kann, die die Anwälte der Firma nun vorwerfen. So gibt es in einzelnen Quartalen nach der Neuberechnung wahrscheinlich niedrigere Gewinne oder höhere Verluste. Für bemerkenswert dürften die Juristen dabei wohl solche Quartale halten wie dasjenige, das am 30. November 2002 endete: Hier beispielsweise kommt nach der Neuberechnung statt eines Nettogewinns von 214.000 US-Dollar ein Verlust von 442.000 bis 692.000 US-Dollar zu Stande. Red Hat selbst erklärte gegenüber den Vorwürfen, man werde die Firma gegen die Klagen zu verteidigen wissen, ging aber ansonsten nicht weiter darauf ein. (jk)