Cheap Urban Bike

60 Jahre Honda Super Cub

Was ist das meistgebaute Kraftfahrzeug der Welt? Spontan werden die meisten wahrscheinlich auf den VW Golf oder Toyota Corolla tippen, aber weit gefehlt, es ist ein Motorrad - die unscheinbare Honda Super Cub, deren Siegeszug vor 60 Jahren begann, und die mehr als 100 Million Mal gebaut wurde

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Zweirad 16 Bilder
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  • iga
Inhaltsverzeichnis

Was ist das meistgebaute Kraftfahrzeug der Welt? Spontan werden die meisten wahrscheinlich auf den VW Golf oder Toyota Corolla tippen, aber weit gefehlt, es ist ein Motorrad. Die Siegerin würde über die lächerlichen Stückzahlen der beiden Autos nur schmunzeln, wenn sie es könnte. Es handelt sich um die eher unscheinbare Honda Super Cub, deren Siegeszug vor 60 Jahren begann, und die mehr als 100 Million Mal gebaut wurde.

Grundstein des Erfolgs

Der legendäre Firmengründer Soichiro Honda wollte ein günstiges und zuverlässiges Transportmittel für die japanische Bevölkerung konstruieren, das sich jeder leisten konnte. Die Honda Super Cub C 100 erschien 1958 und wurde einer der Grundsteine des Global Players Honda. Ohne das „Cheap Urban Bike“, abgekürzt Cub, wäre die Marke nicht zum größten Motorradhersteller der Welt aufgestiegen. Im letzten Sommer übersprang die Produktion der Super Cub die unfassbare Grenze von 100 Millionen Stück.

Ein kleiner Viertakter erobert die Welt

Soichiro Honda setzte damals auf einen Viertakt-Motor, während die meisten anderen Kleinkrafträder und Roller mit einem Zweitakter herumknatterten. Dabei ist die Super Cub eigentlich kein Roller, denn der liegend installierte Einzylinder ist unterhalb des Durchstiegs platziert und nicht wie etwa bei der Vespa unter dem Sattel, als tragendes Gerüst dient der Honda ein Rahmen aus Pressstahl. Damals leistete der zweiventilige, luftgekühlte 50-Kubikzentimeter-Motor immerhin 4,5 PS. Die Beinschilde schützten leidlich vor dem Wetter und die Super Cub war die erste, die dafür Kunststoff verwendete, um Gewicht zu sparen.

Eine Schwinge mit zwei Federbeinen trotzte auch holprigen Pisten. Die simple Technik war ein Schlüssel zum Erfolg. Selbst handwerklich unbegabte Fahrer konnten den Roller mit wenig Werkzeug reparieren – was allerdings kaum notwendig war, denn die Honda Super Cup ging selten kaputt. Die für damalige Verhältnisse ungewöhnliche Zuverlässigkeit wurde, neben dem günstigen Preis und der einfachen Handhabung, bald zu ihrem überzeugendsten Verkaufsargument.

Massentransportmittel

Halb Südostasien ist seit sechs Jahrzehnten auf der kleinen Honda unterwegs. Die Bedeutung, die bei uns einst der VW Käfer hatte, kam in Asien der Super Cub zu und ist es bis heute geblieben: ein Transportmittel der Massen. Und das gleich in doppelter Hinsicht. Nicht nur, dass Millionen Menschen den kleinen Roller nutzen, er wird auch mit allem beladen, was transportiert werden muss.

Egal, ob siebenköpfige Großfamilie, zehn Getränkekästen oder zwanzig Reissäcke übereinandergestapelt, die Super Cub macht brav alles mit. Natürlich wurde die Honda oft von der Konkurrenz kopiert, doch nie erreicht. Wie ungebrochen ihre Beliebtheit ist, zeigt die Tatsache, dass die Produktion der Super Cub erst 2005 die 50-Millionen-Marke erreichte und diese Zahl innerhalb von nur zwölf Jahren verdoppelte.

Neuauflage im Retro-Design

In Asien lag die Super Cub immer auf Erfolgskurs, in Deutschland gab es sie als „Innova“, aber ihr Verkauf wurde 2012 eingestellt. Bis dahin verfügte sie über 125 Kubikzentimeter, leistet 9,2 PS und erreichte immerhin 94 km/h. Der eigentliche Clou aber waren die Zuladung von 170 kg und der geringe Verbrauch von 1,9 Litern auf 100 Kilometern. Im letzten Herbst hat Honda eine neue Generation enthüllt: die Super Cub 110 und die Super Cub 50.

Das Design der beiden fast identischen Bikes erinnert sehr an das Original aus den 1950er Jahren. Für die Alltagsbedürfnisse der asiatischen Kunden gibt es sie auch als „Pro“-Version mit einem Korb vorne, größerem Gepäckträger und 14-Zoll-Rädern. Ein Zugeständnis an die Moderne sind der LED-Scheinwerfer und neue Instrumente. Unter der Plastikverkleidung arbeiten aber weiterhin die luftgekühlten 49- bzw. 109-cm3-Einzylindermotoren und die Super Cubs tragen ganz selbstbewusst immer noch Trommelbremsen vorne und hinten.

Super Cub endlich wieder in Deutschland

Ein Import der beiden nach Deutschland ist nicht vorgesehen, wohl aber das der Super Cub C125. Sie wurde auf der Tokyo Motor Show noch als Prototyp enthüllt und ist ein ausnehmend hübscher Spagat zwischen Retro-Stil und Moderne. Dem Vernehmen nach soll sie tatsächlich genauso in Serie gehen. Über genaue Leistungsangaben schweigt sich Honda noch aus, aber die Super Cub C125 wird mittels einer Einspritzung die Euro4-Norm erfüllen, über ABS und Scheibenbremsen vorne und hinten verfügen.

Originell ist die Schaltwippe auf der linken Seite. Scheinwerfer, Rücklicht und die in die Verkleidung integrierten Blinker nutzen LED-Technik, das Instrument auf dem Lenker zeigt die Geschwindigkeit zwar noch analog an, in der Mitte sitzt aber ein digitales Display für die restlichen Informationen. Die Super Cub C125 verfügt sogar über Smart Key und eine elektrisch öffnendes Sattelfach.

Super Cub wird elektrisch

Doch auch für die traditionsreiche Super Cub sind die Weichen für eine elektrische Zukunft gestellt. Honda-Boss Takahiro Hachigo hat angekündigt, dass die EV-Cub noch 2018 in Produktion gehen soll. Ihr Design verleugnet zwar nicht die Wurzeln der Super Cub, zeigt sich aber deutlich futuristischer. Wie kräftig der elektrische Antrieb sein wird, ist noch nicht bekannt, die Batterie kann mit wenigen Handgriffen ausgetauscht werden. Wer also auf lange Wartezeiten beim Laden verzichten möchte, kauft sich einfach einen zweiten Akku und braucht für den Wechsel kaum länger als für einen Tankstopp. Über den Preis der neuen EV-Cub ist noch nichts bekannt, sie soll jedoch zunächst dem asiatischen Markt vorbehalten sein.

Nicht zu stoppen

Die kleinen Hondas sind nicht zu stoppen. Die Super Cub wird in nicht weniger als 16 Honda-Werken in fast allen Erdteilen gebaut. In Thailand genauso wie in China, Mexiko, Nigeria, Brasilien und Peru. Die größte Motorradfabrik Hondas befindet sich aber nicht etwa in Japan, sondern steht in Indonesien. Dieses Jahr wird die dortige Fabrik neueröffnet, um die Produktion auf vier Millionen Motorräder pro Jahr hochzufahren – ein Großteil davon werden Super Cubs sein.