Die neue Ducati Multistrada 1260

Hohe Erwartungen sind berechtigt, schließlich ist die Multistrada Ducatis zweitbestverkauftes Modell. Ein größerer Motor verleiht ihr nun besseren Durchzug und den Namenszusatz 1260. Dazu kommt mehr Elektronik, einige Überarbeitungen am Chassis und eine Auswahl unter vier Versionen

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Ducati Multistrada 1260

(Bild: Hersteller)

Lesezeit: 6 Min.
Von
  • Ingo Gach
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Hohe Erwartungen sind berechtigt, schließlich ist die Multistrada Ducatis zweitbestverkauftes Modell. Ein größerer Motor verleiht ihr nun besseren Durchzug und den Namenszusatz 1260. Dazu bekommt die Reisemaschine mehr Elektronik, einige Überarbeitungen am Chassis und eine Auswahl unter vier Versionen

Hubraum ist durch nichts zu ersetzen – außer durch noch mehr Hubraum. Diesem Motto ist Ducati schon immer gerne gefolgt, auch wenn die Brennraumgrößen mittlerweile in atemberaubende Dimensionen abdriften. Ihre beliebte Reiseenduro Multistrada glänzte bislang schon durch einen 1198 cm3 großen und 160 PS starken Testrastretta-Motor mit Wurzeln im Rennsport.

Die neue Ducati Multistrada 1260 (15 Bilder)

Die alte Multistrada 1200 hatte schon einen nur leicht gedrosselten Rennmotor, die neue Multistrada 1260 erhält mehr Hubraum und mehr Kraft bei niedrigen Drehzahlen. Vor allem aber glänzt sie durch viel Elektronik.
(Bild: alle Hersteller)

Mehr Spitzenleistung braucht es in einer Reiseenduro ganz sicher nicht. Doch wozu hat man in Bologna eine breit aufgestellte Modellpalette? Das Macho-Bike Diavel erhielt schon letztes Jahr einen 1262-cm3-Motor mit einer desmodromisch-variablen Ventilsteuerung. In Sachen Durchzug lässt der V2 keine Wünsche offen, er produziert schon bei 3500/min satte 110 Nm Drehmoment und schwingt sich bis zu 129 Nm bei 7500/min auf.

Dieses mächtige Aggregat pflanzten die Ducati-Entwickler in die Multistrada. Mit 158 PS leistet es zwei PS weniger als im Vorgängermodell. Ducati betont, dass der Motor bei niedrigen Drehzahlen dafür mehr Kraft und somit eine höhere Alltagstauglichkeit bietet. Am bei Ducati traditionellen Gitterrohrrahmen aus Stahl wurde nicht gerüttelt, aber die Schwinge wurde um 56 mm verlängert, was den Radstand auf 1585 mm wachsen ließ. Außerdem steht der Lenkkopfwinkel nun mit 65 Grad um ein Grad flacher, in Kombination ergibt das einen verbesserten Geradeauslauf, was bei dem angegebenen Topspeed von 250 km/h beruhigend klingt.

Die Multistrada erhielt minimale Retuschen an der Verkleidung, auch die Felgen wurden neu geformt, die Rad- und Reifendimensionen blieben gleich, wie auch Sitzbank, Lenker und Fußrasten. Das ist verständlich, galt die Sitzposition auf der Multistrada doch bisher schon als sehr gelungen und komfortabel. Die Sitzhöhe lässt sich zwischen 825 und 845 mm variieren, was Kurzbeinige auf der riesigen Reiseenduro freuen wird. Der 20-Liter-Tank bietet nach wie vor üppige Reichweite.

Das Trockengewicht ist nach Herstellerangaben mit 209 kg identisch geblieben, mit allen notwendigen Flüssigkeiten an Bord bringt die Multistrada 232 kg auf die Waage. Rein rechnerisch muss somit jedes PS gerade mal 1,47 kg plus den Fahrer beschleunigen, den Sprint von null auf 100 km/h erledigt die hoch aufragende Reiseenduro in weniger als vier Sekunden.

Äußerlich hat sich an der Multistrada also nicht viel geändert, an ihrer Technik hingegen eine ganze Menge. Die Elektronik kann die neuesten technischen Standards vorweisen. Das Herzstück bildet ein Steuergerät von Bosch. Ducati ist es wichtig, dass ihre Bikes nicht nur als schnell, sondern auch als sicher gelten.

Daher das volle Elektronikprogramm: Kurven-ABS, mehrfach einstellbare Traktionssteuerung, Wheelie-Kontrolle, Berganfahrhilfe und die Fahrmodi Sport, Touring, Urban, Enduro. Wobei für die ersten beiden Fahrprogramme sämtliche 158 PS zur Verfüngung stehen, bei den letzten beiden „nur“ noch 100. Sogar ein Tempomat und ein selbstständiges Abschalten der Blinker sind serienmäßig.

Diese Ausstattung hat bereits das Einstiegsmodell. Die Multistrada 1260 S glänzt mit noch mehr High-Tech, besonders hervorgehoben sei das semi-aktive Sachs-Fahrwerk, von Ducati „Skyhook Suspension Evo“ genannt. Es soll durch Anpassung der Dämpfung an die Erfordernisse verschiedener Fahrbahnverhältnisse eine konstant gute Straßenlage erzeugen. Ein Quickshifter ermöglicht dem Fahrer hoch- und runterzuschalten ohne zu kuppeln, dazu bietet die „S“ eine LED-Beleuchtung mit adaptivem Kurvenlicht sowie ein farbiges TFT-Display in fünf Zoll Größe.

Ohne ausgiebiges Studium der Betriebsanleitung wird man vermutlich nie sämtliche Funktionen des Instruments ergründen. Natürlich lässt es sich auch per Bluetooth mit dem Smartphone verbinden und man kann während der Fahrt gespeicherte Musik hören oder Anrufe annehmen – einen Helm mit eingebautem Kopfhörer vorausgesetzt. Als Version Multistrada 1260 S D/Air lässt sie sich sogar mit der Airbag-Bekleidung von Dainese koppeln.

Die sportlicher aufgestellte Multistrada 1260 Pikes Peak ist nach einem legendären Bergrennen in den Rocky Mountains benannt und sticht mit einem knallroten Rahmen und einer rot-weiß-schwarzen Lackierung und Termignoni-Schalldämpfer heraus. Sie verfügt zwar nicht über mehr Leistung, aber dafür über ein Fahrwerk mit Öhlins-Dämpfern, natürlich komplett einstellbar.

Der Windschild ist niedriger und ein Teil der Frontmaske besteht aus karbonfaserverstärktem Kunststoff, ebenso wie der vordere Kotflügel, die Ansaugschnorchel des Luftfilters und die Handprotektoren. Sie rollt auf Schmiedefelgen und wird mit 330-mm-Bremsscheiben und radialen Brembo-Bremszangen vorn verzögert.

Ducati war noch nie für Sonderangebote bekannt, daher geht die Basis-Version mit 16.990 Euro in Anbetracht ihrer Leistung und soliden Ausstattung noch völlig in Ordnung. Die S-Version schlägt dann gleich mit 19.390 Euro zu Buche und für die Pikes Peak werden happige 23.990 Euro fällig. Die Multistrada 1200 Enduro bleibt übrigens mit der älteren Motorisierung für 20.190 Euro im Programm, die martialische Multistrada 1200 Enduro Pro kostet 21.990 Euro. Wer Zubehör für seine Multistrada ordern möchte, wird bei Ducati reichlich fündig, vom Aluminium-Kofferset bis hin zur Titan-Racing-Auspuffanlage.

Motorart Otto
Zylinder zwei
Ventile pro Zylinder vier
Hubraum in ccm 1262
Leistung in PS 158
Leistung in kW 116
bei U/min 9500
Drehmoment in Nm 129
bei U/min 7500
Antrieb Kette
Gänge sechs
Radaufhängung vorn Upside-down-Gabel; Federweg in mm: 170
Radaufhängung hinten Schwinge, Feder-Dämpferbein; Federweg in mm: 170
Bremsen vorn Doppelscheiben 320 mm / 330 mm (modellspezifisch), Vierkolben-Bremssättel
Bremsen hinten Einzelscheibe, 265 mm, Zweikolben-Bremssattel
Räder, Reifen vorn 120/70R17
Räder, Reifen hinten 190/55R17
Lenkung Lenkkopfwinkel in Grad: 65; Nachlauf in mm: 111
Radstand in mm 1585
Leergewicht in kg nach EU inklusive 68 kg Fahrer und 7 kg Gepäck Leergewicht in kg ohne Fahrer und Gepäck: 232 / 235
Tankinhalt in Liter 20
Modell Ducati Multistrada 1260 / S / Pikes Peak
Bohrung x Hub in mm 106,0 x 71,5
Sitzhöhe 825 - 845

(fpi)