Rosskur

Ford Bronco Restomodding

Die Restaurationsfirmen, die sich in den vergangenen Jahren auf den Kult-Kraxler Ford Bronco spezialisiert hatten, können sich vor Anfragen nach restaurierten Exemplaren kaum retten. Es geht aber noch extremer. Etwa beim Restomodding

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Ford Bronco 30 Bilder
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  • mit Material von Stefan Grundhoff
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Ford legt den Bronco wieder auf – jenen Offroader, der in den Jahren von 1966 bis -77 zur Legende wurde. Erfolgreich funktioniert hat so eine emotionale Wiederbelebung ja bereits in den vergangenen Jahren mit dem Mustang, auch ein Ford mit einem Pferdenamen. Nicht alle Pony-Cars waren Sportwagen, der Bronco war auf dem Bauernhof sogar eines der schlichtesten Nutztiere. Während die Neuauflage auf der North American International Auto Show 2019 in Detroit, Michigan (14. bis 27. Januar) vorgestellt werden soll, kommt die erste Serie wieder in Mode.

Der Original-Bronco hatte schon immer seine treuen Liebhaber, doch seit sich herumgesprochen hat, dass ein Neuer kommt, ist die Nachfrage auf dem Klassikermarkt in die Höhe geschnellt. Die Restaurationsfirmen, die sich in den vergangenen Jahren auf den Kult-Kraxler spezialisiert hatten, können sich vor Anfragen nach restaurierten Exemplaren kaum retten. Es geht aber noch extremer. Etwa beim Restomodding.

Rosskur in 600 Mannstunden

Classic Ford Broncos geht ein paar Schritte über eine Restaurierung hinaus. Die Firma hat custom made Broncos im Programm, basierend auf den Modellen von 1966 bis 1977. Die alte Blechhütte wird top restauriert, die Technik allerdings auf den Stand von heute gebracht. Dazu sind nach Absprache ("bespoke") alle Verfeinerungen bei Ausstattungen und Interieur möglich, die man sich vorstellen kann. Darüber hinaus bietet Classic Ford Broncos aber auch Projektarbeit an, die sich an den Wünschen des Kunden orientiert. Das führt frühestens nach rund 35 bis 45 Tagen und etwa 500 bis 600 Mannstunden zum fertigen Unikat.

Der Chef Bryan Rood, der seit 13 Jahren Autos restauriert und seit acht Jahren auf Broncos spezialisiert ist, nennt das "restomodding", aus "restoration" und "modding", also "Restaurierung" und einem "Umbau", der auch "Modernisierung" bedeutet. Das bedeutet beispielsweise auch den Einbau einer zeitgemäßen Bremsanlage und Lenkunterstützung. Rood findet den Bronco eine ideale Basis für seine "frame off"-Restaurierungen, weil er so schön einfach aufgebaut ist und alle Ersatzteile erhältlich sind.

Für Menschen mit einem weniger gut austrainierten Vorstellungsvermögen bietet die Firma fertig konfigurierte Modelle mit je Fahrzeug individuellen Namen wie "Signature Series" an. So etwas kommt der US-amerikanischen Gewohnheit entgegen, in ein Autohaus zu gehen und ein Auto nach seinem Geschmack gleich mitzunehmen.

Wer es besonders rustikal will, nimmt vielleicht den Chicago Hauler. Dank 225 PS V8-Power, Dreigangautomatik, zweistufigem Verteilergetriebe und Servolenkung ist ihm keine Aufgabe im Gelände zu schwer. Was braucht man mehr als Dreispeichenlenkrad, braune Kunstledersitze und Platz für zwei bis drei Personen? Preis: stattliche 150.000 Dollar.

Wer lieber im urbanen Umfeld glänzen will, gönnt sich die lässige Signature Series für 215.000 Dollar. Sie ist etwas für den großen Auftritt. Stilvoller und unaufdringlicher kann man in einem Geländewagen kaum vorfahren. Innen erzeugen walnußfarbene Ledersitze, Klimaautomatik und Tempomat einen Hauch von Luxus. Holzeinsätze in den Türen und Textilapplikationen zeigen eine moderne Interpretation dessen, was in den späten 60ern und frühen 70er Jahren Reisekomfort definierte. Die moderne 5-Liter-V8-Maschine bringt Vortrieb, der seinen Namen verdient.

Nur der Kurze zählt

Man muss im Shop von Classic Ford Broncos nicht lange suchen, um sein Herz an einen der kantig-charismatischen Geländewagen aus den beiden ersten Jahrzehnten der Produktion zu verlieren. Das wäre bei den betont sachlich gestalteten Modellen ab Mitte der 80er-Jahre deutlich schwieriger, und deshalb sind sie auch nicht im normalen Programm der Restomodder.

Nach seiner Premiere im Jahre 1966 war der hohe, aber nur 3,86 Meter kurze Bronco ein Wettbewerber des Jeep CJ und des International Harvester Scout. Alle drei wurden in den USA gern auch in der Landwirtschaft eingesetzt, nicht von ungefähr bot Ford für den Bronco auch einen Zapfwellenabtrieb für landwirtschaftliche Geräte an. Die erste Baureihe hieß auch "kurzer Bronco".

Später wuchsen die einst so kompakten Broncos deutlich in die Länge. Kein Wunder, ihre technische Plattform stammte von den erfolgreichen F-Serie-Pick-Ups. 1996 war er durch den deutlich größeren Ford Expedition ersetzt worden, mit dem man gegen den Chevrolet Tahoe und den noch längeren Chevrolet Suburban antreten wollte. Es ist vielleicht kein Wunder, dass sich heute wieder Menschen für die ursprüngliche Schlichtheit begeistern können. Und sei es nach einer Rosskur durch Restomodding.