Neuvorstellung Mercedes X-Klasse

Inhaltsverzeichnis

Bereits von der ersten Generation der Mercedes M-Klasse, produziert im amerikanischen Tuscaloosa, wollte man vor rund 20 Jahren ursprĂŒnglich einen Pick Up ableiten. Doch die Testmodelle waren um ein Vielfaches zu teuer, um die US-Kunden zu locken. Man hĂ€tte gegen die ĂŒberaus gĂŒnstig angebotenen Full-Size-Pick-Ups in den Vereinigten Staaten keine Chance gehabt. Diese beginnen noch heute zu Sparpreisen weit unter 30.000 Dollar und selbst die Edelversionen knacken kaum die 50.000-Dollar-Marke – inkl. V8-Power, gigantischer Nutzlast und ĂŒber 350 PS.

So kam die Kooperation mit Renault-Nissan gerade Recht, zumindest einen halben Schritt zu machen. Eine komfortable Doppelkabine, Mercedes-Design und Konzernmotoren sollen erst einmal die Basisnachfrage testen. WĂ€hrend die X-Klasse von außen beinahe wie ein echter Mercedes aussieht, entsteht im Innenraum ein im Wortsinn zweiteiliges Bild. Instrumente, Multifunktionsbildschirm und Bedienmodule oberhalb der GĂŒrtellinie kennt man von der Mercedes C-Klasse. In der unteren HĂ€lfte der Armaturentafel an Mittelkonsole, Schaltern und Sitzen werden jedoch Nissan-Teile mit Nutzfahrzeug-Charme eingebaut. Das ist immerhin etwas anspruchsvoller als im Mercedes Citan, der nicht mehr ist als ein Renault Kangoo mit Mercedes-Stern.

Bauingenieure, Architekten oder Handwerker, die bisher in einem Nissan Navara, Ford Ranger, Mitsubishi L200 oder VW Amarok unterwegs waren, haben ab Ende des Jahres erstmals die Möglichkeit, einen Pick Up mit Mercedes-Stern zu kaufen. Ob das ein ausreichender Kaufgrund sein kann, muss sich noch zeigen.

LeistungsfĂ€higkeit auf und abseits befestigter Pisten bringt auch in der X-Klasse das ĂŒbliche Paket aus Leiterrahmen, Starrachse hinten und doppelten Querlenkern vorn. Die hintere Achse bekommt – wie schon im Navara eine Mehrlenker-Anbindung und Schraubenfedern. Letztere bieten zwar eine geringere TragfĂ€higkeit und eine eingeschrĂ€nkte Achsbeweglichkeit, dafĂŒr aber eine spĂŒrbar komfortablere Federung auch auf schlechten Wegen. GelĂ€ndefĂ€higkeit bringt ein optionaler zuschaltbarer Allradantrieb mit schaltbarer Reduktion im Verteilergetriebe und – ebenfalls gegen Aufpreis – eine hintere Differenzialsperre. In GelĂ€ndeausfĂŒhrung bietet die X-Klasse 22 Zentimeter Bodenfreiheit, 50 Grad Seitenneigung und 45 Grad Steigung. Produktmanager Christian Pohl kĂŒndigt zudem „drei Ausstattungsvarianten ‚Pure‘, ‚Progressive‘ und ‚Power‘ je nach Kundenwunsch“ an.

Obwohl das Auto erst in ein paar Monaten zu uns kommt, können wir ausnahmsweise schon einen Fahrbericht anbieten – den des Navara Doka (mit der Schraubenfeder-Hinterachse wie in der kommenden X-Klasse und GelĂ€ndetechnik-Ausstattung).

Bis auf Karosserie und Interieur kennt man im Prinzip alles vom Nissan Navara. Mehr Mercedes soll 2018 der Dreiliter-V6-Diesel mit Siebengangautomatikgetriebe, permanentem Allradantrieb, 620 Nm und 258 PS bieten. Ob noch spĂ€ter ein leistungsstarker Ottomotor, vielleicht sogar eine AMG-Version kommt, weiß aber noch niemand. Der Einstiegspreis wird mit 37.294 Euro angegeben. Ohne Allradantrieb selbstverstĂ€ndlich. (fpi)