GlĂĽckliche Ehen aus der Rechenmaschine
Seite 2: Der Ehe-Test zum Ankreuzen
Ein weiterer Pionier der elektronischen Partnervermittlung ist der Psychologe und Publizist George Crane. Geboren 1901, schreibt er bereits in seinen zwanziger Jahren Reden für den damaligen US-Präsidenten Calvin Coolidge. Lange Zeit lehrt er an der Northwestern University in Illinois.
Über einen Zeitraum von sechzig Jahren veröffentlicht er Kolumnen mit Lebenstipps. Damit tritt er auch im Fernsehen und im Radio auf. Bis heute in den sozialen Netzwerken geteilt wird sein Ehe-Test aus den 1930er Jahren: die "Marital Rating Scale". Frauen werden 50 gute Eigenschaften von Männern vorgelegt:
"Hält ihren Mantel und öffnet die Tür"
"Sagt, er liebt Sie"
"Raucht nicht"
"Treibt Sport"
Zutreffendes wird angekreuzt; und man zählt die Punkte zusammen. Und es gibt 50 schlechte Eigenschaften.
"Mag keine Kinder"
"Wäscht sich zu wenig"
"Bringt unangekündigt Gäste mit zum Essen nach Hause"
Die werden als Punkte abgezogen. Plus- und Minus-Punkte bilden die Gesamtwertung; und die sagt an, wie gut es um die Ehe steht. Für Männer gibt es einen ähnlichen Fragebogen, mit denen sie ihre Frauen beurteilen sollen. Die für den Doppel-Test ausgewählten Angewohnheiten basieren auf Befragungen von 600 Ehepaaren.
Woche für Woche erhält Crane unzählige Briefe von Lesern, Zuschauern und Zuhörern. Vielen ist eines gemeinsam: die Sehnsucht nach einem passenden Partner.
Scientific Marriage Foundation
So gründet er 1957 in einem ehemaligen Schulgebäude in Indiana die Scientific Marriage Foundation zum Vermitteln von Ehepartnern. Wer den Dienst nutzen möchte, muss einen umfangreichen Fragebogen ausfüllen, drei Bürgen nennen, ein Foto beilegen und einen Scheck über 25 Dollar (was heute ungefähr dem Zehnfachen entspricht). Das Ganze übergibt er einem der vielen lokalen Berater des Instituts. Der schreibt eine eigene Beurteilung zum Bewerber und schickt alles an die Einrichtung.
Auch hier sucht ein Lochkarten-Sortierer (diesmal von IBM) passende Kandidaten heraus, und diewerden durch ein Gremium noch einmal überprüft. Wochen später kann der Bewerber mit einer Adresse rechnen und die ausgewählte Frau per Brief um ein erstes Treffen bitten. Ein Musterbrief erleichtert das Ansprechen. Damals herrschen noch traditionelle Geschlechterrollen; und man geht davon aus, dass der Mann den Kontakt aufnimmt und die Frau sich zu bestimmten Telefon-Zeiten bereithalten soll.
Verliebte Sekretärinnen
Ein junger Farmer ist der erste zufriedene Kunde. Er bittet Crane Ende 1957, eine Frau für ihn zu finden. Seine Braut hätte ihn während seines Armeedienstes verlassen. Crane vermittelt eine Sekretärin, nur 100 Kilometer entfernt. Im Herbst sind die beiden verheiratet.
Ein unerwartetes Hindernis: Am Anfang verliert Crane gleich sieben Sekretärinnen hintereinander an suchende Bewerber, bis er beschließt, nur noch verheiratete Mitarbeiterinnen einzustellen. 1500 bis 2000 Interessenten nutzen den nichtkommerziell angelegten Service jeden Monat. Mehr als 10.000 Ehen sollen zustandekommen.