Innenansichten aus dem Hause Hewlett-Packard

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Als ich nach Amerika kam, überreichte mir mein Onkel ein Geschenk -- den wissenschaftlichen Taschenrechner HP-35, das erste tragbare Gerät seiner Art. "Man benutzt hier keine Rechenschieber mehr", sagte er mir. Das stimmte damals zwar nicht ganz, doch mein HP-35 war einfach eine Schönheit. Er hatte integrierte Schaltkreise und LEDs. Das waren brandneue Dinge, die in den HP-Labors entwickelt worden waren. Ich war stolz, als ich dann zwei Jahre später einen Job im HP-Labor in Palo Alto bekam. Damals sagte man uns, wir sollten genau an den Dingen arbeiten, die uns faszinierten.

HP-Gründer Bill Hewlett erinnerte uns daran, dass die Marketingleute gesagt hätten, dass der HP-35 ein Misserfolg würde, weil er zu klein sei. "Und dann konnten wir ihn nicht schnell genug herstellen, so groß war die Nachfrage. Die Marketingleute wissen eben nicht alles." Bill Hewlett hatte 1966 die Idee, die HP-Labors zu gründen. Er wollte, dass es ein Ort wird, an dem die Leute sich darauf konzentrierten, die Zukunft zu entwickeln. Ich arbeitete an Projekten wie dem Thermo-Tintenstrahldruck, weil ich dachte, Nadeldrucker-Ausdrucke seien hässlich. Dann arbeitete ich an der Miniaturisierung riesiger industrieller Tintenstrahldrucker, weil ich glaubte, dass es toll wäre, wenn man Farbausdrucke von Desktop-Rechnern aus herstellten könnte. Wir hatten oft genug keine Vorstellung davon, wo uns diese Projekte hinführen würden. Wir stellten immer nur die "Was wäre wenn?"-Frage.

Der größte Fehler der HP-Labors war, dass wir zu vorsichtig waren. So interessierte uns auch Steve Wozniaks billiger kleiner Computer nicht -- der Apple I. Woz arbeitete damals im HP-Labor an Taschenrechnern. Wir hielten seine Computeridee durchaus für toll, doch wir wussten nicht, wie man den Rechner hätte vermarkten können. Deshalb entschieden wir uns dagegen.

Im Labor saßen nie die Marketinggenies. Carly sagte uns auf den Kopf zu, dass wir keinen Geschäftssinn hätten. Jedes Projekt müsse innerhalb von drei Jahren (oder weniger) einen Profit abwerfen. Solche Ansagen kamen immer kurz vor der nächsten Kürzung des Forschungsbudgets, nach der dann noch mehr Labor-Angestellte gehen mussten.