Innenansichten aus dem Hause Hewlett-Packard
Nach dem Rücktritt von HP-Chefin Carly Fiorina ließen HP-Angestellte die Sektkorken knallen. Ein ehemaliger HP-Entwicklungsingenieur erklärt diese Stimmung.
Die Auseinandersetzung um die Bewertung der Firmenpolitik der Ex-HP-Chefin geht weiter: Die US-Kollegen haben den Artikel inzwischen zurückgezogen, weil man nicht für die "inhaltliche Korrektheit" der hier wiedergegebenen Behauptungen bürgen könne. Da wir der Meinung sind, es handelt sich ausdrücklich um die persönliche Sichtweise eines einer Einzelperson, lassen wir die Übersetzung online.
Der Ingenieur G.S. hat von 1975 bis 2003 als Forscher im Hewlett-Packard-Imaging-Systems-Labor gearbeitet. Er schildert Technology Review die Innensicht eines HP-Angestellten, der die ganze Zeit über daran geglaubt hat, dass seine Firma auf die bestmögliche Art und Weise den amerikanischen Geist verkörpert -- einen Sinn für Abenteuer gepaart mit dem Glauben an unbegrenzte Möglichkeiten. Ab dem Jahr 2000 wurde diese Alles-ist-möglich-Haltung durch das Management abgetötet, wirft der Ingenieur der Unternehmensführung nun vor. Stattdessen sei es nur noch darum gegangen, nervöse Investoren und Aufsichtsräte zu besänftigen. An den langfristigen Nutzen für die Firma und ihrer Mitarbeiter dachte man hingegen nicht mehr. Die ständigen Einschnitte in das HP-Forschungsbudget in den letzten fünf Jahren habe zu irreversiblen Schäden geführt hätten -- bei HP und in der gesamten US-Industrie.
"1973 habe ich mich aus Ungarn abgesetzt. Das war eine Woche, nachdem man mir gesagt hatte, dass ich in die Kommunistische Partei eintreten müsste, um als Ingenieur irgendwie vorwärts zu kommen. Ein gutes Parteimitglied zu sein war viel wichtiger als die eigenen Fähigkeiten. Mein Chef war ein ehemaliger Schweinezüchter! Nachdem er jahrzehntelang Säue und Eber großgezogen hatte, überwachte er plötzlich Dutzende von Maschinisten mit Ingenieursabschlüssen, die zuvor Brücken und Gebäude gebaut hatten. Dann wurde ihnen eine "praktische und nützliche" Arbeit zugeteilt -- der Bau von Maschinenteilen.
Als ich unter Carly Fiorina arbeitete, musste ich an meine Zeit unter dem Schweinezüchter denken. Ich erinnere mich daran, als sie das erste Mal die HP-Labors betrat. Sie sagte, dass unser neuer Firmenslogan "Invent!" sei. Dann meinte sie, dass die Technologieindustrie niemals mehr so spannend und profitabel wie in den neunziger Jahren sein würde. Wir sollten endlich erwachsen werden und uns das bewusst machen. Seit diesem Moment wusste ich, dass die besten Tage von HP vorbei waren. Carly war eine Marketingfrau, die Chefin einer Ingenieurstruppe wurde. Jemand, dem das Künstlerische und die Schönheit der Technologie nichts bedeutete. Sie wollte die Aktien der Firma möglichst teuer verkaufen.