Knowledge Management mit PRINCE2-Produktstrukturplänen

Seite 2: Schritt fĂĽr Schritt

Inhaltsverzeichnis

Der Prozess, den man zum Erstellen und Etablieren einer Produkterfahrungsdatenbank durchlaufen muss, setzt sich aus den folgenden fĂĽnf Schritten zusammen.

Im besten Fall lässt sich auf eine vorhandene PRINCE2-Umgebung im Unternehmen zurückgreifen, womit die Chance besteht, bereits erstellte Produktstrukturpläne (PSP) nutzen zu können. Sollte dies nicht der Fall sein, ist es möglich, die folgende Methode zum Erstellen eigener Produktstrukturpläne zu nutzen.

Im ersten Schritt sollte man die wesentlichen und typischen Projekttypen im Unternehmen identifizieren. Sie versprechen zu Beginn den größten Mehrwert. Die Projekttypen können je nach Unternehmen unterschiedlich sein: Bei einem Softwareentwicklungsunternehmen stehen eher neue Projekte im Vordergrund und bei einem Handelsunternehmen die Weiterentwicklung der bestehenden Anwendungen.

Zunächst ist die Beschreibung des am Ende des Projekts stehenden Produkts zu erstellen. Darauf aufbauend lässt sich der Produktstrukturplan (PSP) und das Projektendprodukt in Teilprodukte untergliedern. Bei der Form des PSPs kann frei gewählt werden. Als Darstellungsformen bietet sich ein Baumdiagramm, eine Mindmap oder eine eingerückte Liste an.

Im Produktstrukturplan wird das Endprodukt des Projekts (zum Beispiel die Software) in einzelne Teil- und Zwischenprodukte (zum Beispiel Kundenverwaltung oder das Erstellen der Rechnung) zerlegt und schematisch dargestellt (s. Abb. 1). Dabei lassen sich einfache und zusammengesetzte Produkte in Form eines Rechtecks, Produktgruppen als Raute und externe Produkte (Produkte, die nicht im Rahmen des Projekt hergestellt, aber für ein Projektprodukt benötigt werden) als Ellipse darstellen [7]. Bei der Definition der Produkte ist mit Hinblick auf die Erfahrungsdatenbank auf deren Wiederverwendbarkeit zu achten, damit sie sich in den nächsten Schritten übernehmen lassen.

Schematische Zerlegung der Produkte in Teilprodukte (Abb. 1)

Die Vollständigkeit des Produktstrukturplans lässt sich mit einem Produktflussdiagramm, in dem die Produkte in eine zeitliche Abfolge gebracht werden, überprüfen (Abb. 2). Planungslücken in Form von übersehenen Produkten sind dabei einfach zu identifizieren. Aus den einzelnen Produkten im Strukturplan können abschließend die (Teil-)Produkte für zukünftige Aufwandsschätzungen abgeleitet werden.

Zeitlicher Ablauf im Produktflussdiagramm umgesetzt (Abb. 2)

PRINCE2 macht zur Schätzmethode zum Ermitteln der Produktkosten keine weiteren Vorgaben. Sie sollte nur zuverlässig, valide, objektiv und ökonomisch sein und sich bewährt haben [8]. Bei der Aufwandsschätzung ist darauf zu achten, dass sich der Aufwand für eine Einheit des Produkts ableiten lässt. Dadurch kann man das Produkt später einfacher an die gewünschte Produktanzahl anpassen.

Vor der Übernahme der Produkte in die Erfahrungsdatenbank ist die Struktur der Datenbank zu definieren. Tabelle 1 zeigt eine bewährte Gliederung:

Attribute Inhalt
Produktbeschreibung Produktbeschreibung
Produkt-Verantwortlicher eindeutiger Verantwortlicher fĂĽr das Produkt
Produktergebnis Beschreibung der Arbeitsergebnisse, die aus dem Produkt resultieren
Kosten in EUR fĂĽr das Produkt Kosten getrennt nach den einzelnen Ressourcen und Sachkosten
Betriebskosten in EUR In einer Business-Case-Betrachtung sind auch die zu erwartenden Betriebskosten einzubeziehen. Daher bietet es sich an, diese direkt mitzupflegen.
Voraussetzungen Welche Voraussetzungen/Vorbedingungen bestehen vorm Erstellen des Produktes?
Multiplikator Anzahl herzustellender Produkte

Tabelle 1: Bewährte Produktstruktur für die Erfahrungsdatenbank

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist es, die Erfahrungsdatenbank den Projektleitern und Experten zugänglich zu machen.

Der Projektverantwortliche sollte sicherstellen, dass die Produkterfahrungsdatenbank tatsächlich verwendet wird. Zu Beginn empfiehlt es sich, mit einem niedrigen Anteil zu übernehmender Produkte zu starten. Dadurch sollte das Projekt nicht ins Stocken geraten, falls noch wesentliche Produkte fehlen. Sobald sich die Handhabung etabliert hat, lässt sich der Anteil sukzessiv erhöhen, wobei dem Projektleiter jedoch weiterhin Freiräume gelassen werden sollten. Mit ihm ist darüber hinaus regelmäßig zu prüfen, ob aus den gegebenen Freiräumen weitere Produkte ableitbar sind. Es sollte einen Verantwortlichen für die Erfahrungsdatenbank geben, der unter anderem das Coaching und die Aufnahme neuer Produkte in die Datenbank verifiziert und autorisiert – das Prüfen der Wiederverwendbarkeit als Kriterium steht dabei im Vordergrund.