Neue Bedrohung für UMTS-Geschäftspläne
Seite 2: Neue Bedrohung für UMTS-Geschäftspläne
Laut Mummert könnten VoIP-Anbieter schnell in den UMTS-Markt einsteigen; auch Mobilfunkvermarkter könnten das Geschäft für sich entdecken und UMTS-Datenpakete samt VoIP-Tarifen anbieten. Mummert geht davon aus, dass die UMTS-Datenraten für eine ordentliche Sprachqualität auf ISDN-Niveau ausreichen.
Konkurrenz machen sich die UMTS-Anbieter dabei nicht nur technisch selbst, sondern auch in den eigenen Konzernen - so bietet die T-Mobile-Schwester T-Com Voice-overIP-Dienste an ebenso die Vodafone-Tochter Arcor. Entsprechende VoIP-Angebote aus dem Festnetz wären dank der erhöhten UMTS-Datenrate problemlos ins Mobilnetz übertragbar. Momentan nutzt noch kaum jemand "VoIP over UMTS" - allein Bastler, die erkannt haben, dass man mit Hilfe von UMTS auch Internet-Telefonie betreiben kann, testen die Grenzen der Technik. So denkt Mummert denn auch nicht, dass vor 2006 ernsthafte Angebote entstehen werden; 2005 könnten aber erste "Early Adopter" im Markt sein, wie Branchenanalyst Janke meint.
Unklar ist noch, ob und wie die Handynetzbetreiber auf die aufkommende Bedrohung reagieren. "Wir hätten keine Chance, das zu kontrollieren", sagt Heiko Witzke, Sprecher von Vodafone - und das sei auch gar nicht gewollt: Vodafone biete den UMTS-Nutzern einen vollwertigen Internet-Zugang und das solle auch so bleiben; VoIP-Anwendungen gehörten dazu. Auch könnten die Mobilfunkanbieter selbst "VoIP over UMTS"-Dienste anbieten - Janke berichtet von ersten Voruntersuchungen: "Man guckt sich gerade an, was man damit machen kann."
Allein die Verbindungsqualität könnte "VoIP over UMTS"-Nutzer stören, doch macht es im Prinzip keinen Unterschied, ob ein Gespräch im UMTS-Netz klassisch oder über die VoIP-Technik geführt wird: Telefonate brechen nicht häufiger oder seltener ab als Datenverbindungen. Allerdings besteht bei normalen Mobiltelefonaten die Möglichkeit, dass das alte GSM-Netz übernimmt, wenn die UMTS-Verbindung abreißt.
Dorgham Sisalem, Gruppenleiter beim Fraunhofer-Fokus UMTS-Testbed in Berlin, sieht keine technischen Probleme bei "VoIP over UMTS"-Anwendungen: "Auch die Paketlaufzeiten reichen aus." Allerdings sei zu bedenken, dass man sich die Datentransferrate mit anderen Benutzern in der gleichen Funkzelle teilt - doch Sprache benötige nicht viel Bandbreite. Derzeit mag "VoIP over UMTS" noch etwas für Bastler sein - doch das könnte sich schnell ändern.
Von Ben Schwan (sma)