Neue Bedrohung für UMTS-Geschäftspläne
Telefonieren über Internet-Protokoll funktioniert auch über UMTS-Datenfunk - zu weitaus niedrigeren Kosten als normales Handy-Telefonieren
Telefonieren über Internet-Protokoll (VoIP) galt bislang als Bedrohung für die Anbieter gewöhnlicher Festnetz-Telefonie. Doch einer Analyse der Unternehmensberatung Mummert Consulting könnte es auch für Handynetz-Betreiber zu einem umsatzschmälernden Problem werden: Ihre neuen schnellen UMTS-Datendienste könnten ebenso gut für VoIP genutzt werden - und die Einnahmen daraus wären weitaus geringer als bei der Abrechnung von mobilen Telefonminuten der klassischen Art.
Derlei "VoIP over UMTS" (VoIPoUMTS?)-Anwendungen sind dank Datenraten von bis zu 384 Kilobit pro Sekunde schon heute realisierbar. Sollten sie sich tatsächlich durchsetzen, sieht Mummert die Refinanzierung der UMTS-Netze bedroht - planen die meisten Handynetzbetreiber doch nach wie vor, ihre Milliarden-Investitionen in die Mobilfunknetze der dritten Generation über reguläre Sprachdienste hereinzuholen, nicht über die erst langsam von den Kunden angenommenen Multimedia-Angebote.
Zwar werden für VoIP over UMTS-Dienste derzeit noch tragbare Computer mit UMTS-Mobilfunkkarten oder per Bluetooth an den Rechner angebundene Handys benötigt. Eine VoIP-Software, etwa Lösungen von Skype oder Freenet für den Privatkunden, sowie ein Headset kommen noch dazu. Doch ein integriertes Gerät, ein UMTS-IP-Telefon also, wäre technisch leicht herzustellen. "Bisher gibt es so etwas noch nicht", sagt Bernd Janke, Senior Manager Telecommunications bei Mummert, "aber Hersteller sind interessiert, wie wir hören." Anbieter von VoIP- und WLAN-Telefonen, die es etwa von Cisco inzwischen auch in mobilen Varianten gibt, könnten das Geschäft für sich entdecken - auch Elektronik- und Handyhersteller wie Motorola und NEC sind in diesem Markt involviert.
Für die Endkunden ergäben sich dank "VoIP over UMTS" deutliche Preissenkungen, die Festnetztarifen Konkurrenz machen könnten. Laut Mummert könnten die mobilen Gesprächspreise auf rund 12 Cent pro Minute sinken, während die Mobilfunkanbieter für reguläre UMTS-Sprachdienste derzeit je nach Tarif ab 29 Cent verlangen. Kann man bereits bei der sich derzeit etablierenden Festnetz-VoIP-Telefonie bis zu 30 Prozent sparen, liegt das Einsparpotenzial im Handy-Netzbereich also noch deutlich höher. "Wir sehen ein Marktpotenzial bereits im Mittelstand", sagt Mummert-Mann Janke, "besonders wenn sich das dann alles über eine Rufnummer abwickeln ließe". Denn wer VoIP über UMTS nutzt, ist über eine der vom VoIP-Anbieter vergebenen Ortsntzrufnummern erreichbar - die Trennung zwischen mobiler und Festznetz-Rufnummer wäre dann passé.
Allein einen günstigen Datentarif müssten "VoIP over UMTS"-Kunden noch wählen - so werden beispielsweise derzeit bei Vodafone 30 Stunden UMTS-Datenübertragung mit bis zu 384 Kilobit pro Sekunde für 70 Euro verkauft, was 3,8 Cent pro Minute entspricht. Ergänzt man die Minutengebühr für einen VoIP-Anbieter, lägen die Tarife immer noch deutlich unter den aktuellen Sprachangeboten im UMTS-Handy-Netz: Freenet etwa bietet das IP-Telefonieren innerhalb Deutschlands für einen Cent pro Minute an.